1. Samuel 13,1-23
Texterklärung
V. 1: Wie alt ist Saul, als er König wird? Hier fehlt eine Zahl. Jedenfalls ist sein Sohn Jonathan schon erwachsen und Heerführer. Meint die Angabe der zwei Jahre die gesamte Regierungszeit Sauls? Dazu passen alle seine Kriege und was sonst über ihn berichtet ist, nicht. Vielleicht ist der Zeitraum bis zu den Ereignissen in Kap. 13 gemeint.
V. 19: Die kriegerischen Philister bilden eine ständige Bedrohung für Israel, besonders nachdem sie die Entwaffnung Israels durchgesetzt haben, vielleicht im Zuge der Invasion (V. 5): 30.000 Kriegswagen und 6.000 Reitersoldaten, dazu Fußsoldaten, sind eine furchteinflößende Armee. Außerdem setzen sie ihre Vorposten mitten ins Gebiet Israels – z. B. nach Geba.
V. 17f.: Von Michmas aus organisieren sie Raubüberfälle in den Norden (Ofra), in den Westen (Bet-Horon) und in den Südosten (Tal Zeboïm).
Mutige Action – aber wo ist der Plan?
Was mag in Jonatan wohl vorgehen, dass er die Wache der Philister in Geba erschlägt? Jedenfalls bringt er seinen Vater in Nöte: „Weiß der Junge denn nicht, dass er uns damit das ganze Heer der Philister auf den Hals hetzt?“ Gerade erst hat Saul, nach dem Sieg über die Ammoniter (11,11), über 300.000 Mann heimgeschickt, behält nur 3.000 bei sich. Die Israeliten haben es erlebt, wie die Philister durch den Einfluss Gottes zurückgedrängt worden sind (7,13), aber das ist schon länger her. Samuel, der sie damals führte, ist alt. Deshalb wollten die Israeliten einen König, der ihre Kriege führen und sie siegen lassen sollte (8,19f.). Jetzt aber verhalten die Philister sich immer bedrohlicher. Sie setzen sich mitten ins Gebiet Israels.
Wenn der Feind Gottes sich in unser Leben drängt, was können wir da machen? Ihn erdulden oder uns sogar an ihn gewöhnen? Das war die Lösung Sauls und der Israeliten, vielleicht schon mit dem Wunsch: „Hoffentlich wird es irgendwann wieder anders!“
Aber Jonatan erträgt das nicht. Er ist ein mutiger Mann mit großem Gottvertrauen (vgl. 14,6). Jakobus ermutigt uns (Jak 4,7): „So seid nun Gott untertan. Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch.“ Für den Anfang begnügt Jonatan sich mit dem Plan: „Ich widerstehe dem Teufel, dann wird Gott schon helfen!“
Große Bedrohung – aber ohne Mut, Waffen und Leute?
Nach Jonatans Attentat auf die Wache der Philister fallen diese mit ihrem ganzen Heer ein, entwaffnen die Israeliten, bringen die Schmiede usw. um, und schlagen ihr Besatzungs-Lager bei Michmas auf, mitten im Gebiet Israels. Saul hat zuvor schon die Israeliten nach Gilgal gerufen, ins Jordantal, weil Samuel ihn dahin bestellt hatte. Gilgal ist ein Ort von großer Bedeutung für Israel: Hier hat Gott sie durch Josua über den Jordan geführt. Hier haben sie sich gesammelt und den Bund erneuert, bevor sie Kanaan eingenommen haben. Aber jetzt ist nichts vom Mut und Gottvertrauen dieser Zeit zu spüren: Die meisten verkriechen sich oder fliehen über den Jordan. Die restlichen sind „voll Angst“.
Psalm 107 erinnert die Israeliten an verschiedene Gelegenheiten voller Not und daran, was sie damals taten (V. 13): „… die dann zum Herrn riefen in ihrer Not und er half ihnen aus ihren Ängsten.“ Alle menschlichen Hilfen hat Saul verloren. Wird er sich seinen Sohn Jonatan zum Vorbild nehmen und Gott den Herrn um Hilfe bitten? Jesus verspricht denen, die ihm nachfolgen (Lk 12,32): „Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben.“
Deutliches Versprechen – aber wo bleiben Vertrauen und Geduld?
Schon an dem Tag, als Samuel Saul zu König salbte, hatte er ihm den Auftrag gegeben: Geh (nach deinen anderen Taten) nach Gilgal und warte dort sieben Tage auf mich (10,7-9). Die Ankunft Samuels verzögert sich, die Männer laufen Saul davon. Da packt er an, was doch Samuel tun wollte (V. 9). Gut möglich, dass er das Opfer gar nicht selbst darbringt, sondern einen Priester damit beauftragt. Aber Saul fehlt das Vertrauen zu Samuel und letztlich zu Gott.
Sauls Unglaube hat fatale Folgen: Der Herr hätte sein Königtum auf Dauer bestätigt. Das wird nun nicht sein. Der Herr hat schon einen neuen König im Blick: Einen Mann „nach seinem Herzen“. Samuel lässt ihn stehen. Die Leute laufen Saul davon. Saul erlebt Gottes Zumutung: „Übe Geduld und Vertrauen!“ (vgl. 2Petr 3,4.9; Hebr 10,35). Aber er weicht aus.
Fragen (und Anregungen) zum Gespräch:
- Saul wollte mit seinem Opfer „den Herrn besänftigen“ (V. 12). Aber wie ist Gott wirklich (vgl. 15,22)ß
- Wie können wir unser Vertrauen zu Jesus stärken?
- Besser als die Frage nach dem „Warum“ ist die Frage: „Wer hilft?“
Lieder: GL 502, FJ4 69 Ewig treuer Gott
