1. Samuel 16,1-23
Texterklärung
Saul hat seine Berufung verspielt, weil er eigensinnig gegen Gottes Willen gehandelt hat. Er versucht noch, sich zu rechtfertigen und Gott mit Opfern umzustimmen, aber es ist entschieden – Israel soll einen neuen König haben. Samuel ist traurig darüber, er wollte an Saul festhalten. Nur widerwillig macht er sich auf den Weg nach Bethlehem, um einen der Söhne Isais zu salben. Er muss erleben, dass Gott dabei andere Maßstäbe anlegt, als der Prophet es gewohnt ist. Und auch der Weg, den der neue König zu gehen hat, ist ungewöhnlich.
Altes loslassen, damit Neues geschieht
Es gibt Zeiten im Leben, da müssen wir das Trauern über das Vergangene ablegen, damit Neues möglich wird. So war es bei Samuel, als Gott ihn beauftragte, einen neuen König über Israel zu finden. Hatte er Angst vor dem Zorn Sauls, oder wollte er nicht einsehen, dass Gott ihn verworfen hatte? Obwohl das menschlich zu verstehen ist, verstellt es Samuel die Sicht auf das Neue, das Gott vorbereitet hat. Wie oft hängen wir im Alten fest, weil es vertraut und bewährt ist? Wer Gottes Wege geht, sollte bereit sein, auch Neues zu denken und zu wagen.
Hindernisse gehören dazu
Samuel hat Angst vor Saul. Wenn er von der Mission erfährt, würde er ihn töten. Damit das wahre Motiv nicht bekannt wird, tarnt Samuel auf Gottes Rat hin die Reise nach Bethlehem als Opferfest. Dazu soll auch Isai mit seinen Söhnen eingeladen werden. Erst dort wird Gott weitere Anweisung geben. Es gibt keinen Plan, der im Detail schon bekannt ist. Noch dazu begegnen die Ältesten der Stadt ihm mit Vorsicht. Es heißt ganz auf Gott zu vertrauen. „Seh ich nicht mehr als nur den nächsten Schritt, mir ist’s genug, mein Herr geht selber mit.“ Das lässt sich leicht singen, aber wenn wir selbst neue Wege gehen müssen, kann das ganz schön herausfordernd sein.
Gottes sieht tiefer
Das Haus Isais ist eine gute Adresse. Sieben Söhne hat er, die alle fähig wären, König über Israel zu sein. Welcher wird es wohl? Für Samuel ist der Erste schon der Beste. Vielleicht war Eliab einer wie Saul? Wir orientieren uns gerne am Bekannten, haben unsere Vorlieben. Aber Gott mahnt, nicht auf Aussehen und stattliche Figur zu achten. Wir bleiben gerne am Äußeren hängen, lassen uns blenden von den offensichtlichen Qualitäten. Wie viele Mitarbeiter hat man bei solchem Auswählen wohl schon übersehen?
Gott macht sich die Mühe, tiefer zu sehen, bis ins Herz hinein. Sein Auswahlkriterium ist der Herzensblick. Alle sieben Söhne gehen an Samuel vorüber, aber keinen davon hat Gott erwählt. Sind das wirklich alle? Nein, einer ist noch übrig, der jüngste. Den hatte man ganz vergessen. Es kommt ein gut gewachsener, braun gebrannter Jüngling mit schönen Augen. Ist das alles?! Aber er ist es. Gott gibt Anweisung, ihn zu salben. Da geschieht das Entscheidende: „Der Geist des Herrn geriet über David von dem Tag an und weiterhin“.
Es ist gut, wenn Menschen natürliche Fähigkeiten mitbringen, aber Gott ist darauf nicht angewiesen. Das Wesentliche geschieht allein durch Gottes Geist. Müssen wir nicht ehrlich zugeben, dass der Dienst im Reich Gottes immer eine Nummer zu groß ist für uns?
Der dienende König
Offenbar ist es noch nicht Zeit, die Berufung Davids öffentlich zu machen. Er bleibt bei seinem Vater in Bethlehem. Aber Gott bereitet schon die Zukunft vor. Ein böser Geist von Gott ängstigt Saul. Plagen ihn Gewissensbisse, fürchtet er sich vor Gottes Zorn? Seine Ratgeber empfehlen eine Musiktherapie mit Harfenspiel. Und „zufällig“ kommt ein junger Mann ins Gespräch aus Bethlehem. Saul lässt David holen. Der neue König dient dem alten, und der gewinnt ihn lieb. Gottes Wege sind nicht immer zu verstehen, aber auf ihnen zu gehen, verheißt Gutes und Segen. Plagt der böse Geist Saul nur, damit David an den Hof kommt? Wir wissen es nicht. Aber wir erleben, dass der gute Geist, den David mit seinen Harfenklängen bringt, es für Saul leichter machte. Der böse Geist wich von ihm.
Das Leben mit Gott ist überraschend anders und manchmal sehr herausfordernd. Aber wir sollen wissen, dass Gottes guter Geist mit uns geht und auf kreative Weise Gutes bewirkt.
Fragen (und Anregungen) zum Gespräch:
- Wo haben wir Angst vor dem Neuen, das vor uns liegt? Was sollten wir vielleicht loslassen, auch wenn es altbewährt ist?
- Haben wir schon erlebt, dass Menschen mit ihren Aufgaben gewachsen sind?
- Mit welchen unserer Gaben können wir anderen Menschen dienen? Ermutigen wir einander dazu. Manchmal trauen wir uns selbst nicht.
Lieder: GL 534, FJ5 229 Ich bin bei dir
