02/2026-03/2026

Gehorsam ist besser als Opfer

1. Samuel 15,1-35

Texterklärung


Angesichts der Nachrichten über ethnischen Säuberungen und Massaker wirkt Sauls Reaktion auf Gottes Befehl fast sympathisch. Doch der Fokus der Geschichte liegt auf einer ganz anderen Frage: Wem gibt unser Leben die Ehre? Wem ist gerade eine Leitungsperson an erster Stelle verpflichtet? Als König, der von Gott selbst ausgesucht und eingesetzt wurde, steht Saul für ihn und nicht für sich selbst. Entsprechend hat sein Ungehorsam weitreichende Konsequenzen und muss geahndet werden.  

Verantwortung

Amalek steht für alles, was sich Gottes Heilsplan mit Israel entgegenstellt. Seit dem Auszug aus Ägypten (2Mo17,8ff.) bis zum ersten Versuch der Landnahme (4Mo 14,45) sperren sich diese Nachkommen Esaus gegen Gottes Volk. Und zwar auf niederträchtige Weise (5Mo 25,17ff.). Ganz anders die Keniter, Nachfahren der Familie von Moses Frau Zippora. Sie hatten Israel immer unterstützt (4Mo 10,29ff.; Ri 4,11ff.). König Saul hat also die Aufgabe und die Verantwortung, einen Feind seines Volkes endgültig auszulöschen.

Saul aber ist ungehorsam. Allerdings schmerzt ihn der Verlust von gesundem, brauchbarem Vieh mehr als der Tod von Menschen (V. 9). Dass die Tiere als Opfer gedacht sind, d.h. für einen Gottesdienst, spielt zunächst einmal keine Rolle. Warum Saul Amaleks König verschont, bleibt offen. Will er seinen Triumpf auskosten? Den Gegner in aller Öffentlichkeit demütigen? Denn offensichtlich geht es Saul um seine Ehre. Er setzt sich ein Denkmal (V. 12).

Gesprächsbereit?

Der Gesprächsgang zwischen Saul und Samuel ist bewegend. Selten werden Auseinandersetzungen so ausführlich berichtet. Erst verkündet Saul, er habe auftragsgemäß gehandelt (V. 13). Dann schiebt er die Verantwortung zweimal ab (V. 15.21). Erst als Saul seine Felle davon schwimmen sieht, lenkt er ein. Doch wieder geht es ihm um seinen Ruf, seine Ehre und Macht. Und zeigt nicht sein späteres Verhalten David gegenüber, wie wenig er in Wahrheit verstanden hat? Denn Israels König kann nur König sein, wenn er selbst den Gott Israels zum König hat. Das ist es, was Samuel immer gesagt hat. Dass der Gott Israels nicht unbedingt Sauls Gott ist, macht der Text übrigens deutlich: Saul will das Opfer dem Gott Samuels bringen („dem Herrn, deinem Gott“). Und nicht seinem?

Samuels Reaktion

Während Saul also um seinen Posten kämpft, ist Samuel zutiefst erschüttert. Eine ganze Nacht lang betet und ringt er (V. 11), enttäuscht und wütend. Vielleicht kämpft er auch dafür, dass Saul einen neuen Anfang machen kann. So hatte es Mose für Israel immer wieder getan (2Mo 32,9ff.; 4Mo 14,11ff.). Deutlich wird: Der Bote Gottes steht zwischen Gott und Mensch. Erst hatte Samuel dem jungen Saul Mut gemacht, König zu sein, obwohl Sauls Familie keine bedeutende Abstammung hatte (1Sam 9,21). Dann hatte Samuel dafür gesorgt, dass Saul anerkannt wurde (10,24) und seinen eigenen Platz für ihn geräumt (12,1f.). Jetzt trauert er zutiefst um Saul. Wer ist hier gescheitert? Hatte er es nicht kommen sehen und selbst gesagt, dass einem König die Macht schnell zu Kopfe steigt (1Sam 8,11ff.)? Es ist bezeichnend, dass die beiden Männer nun getrennte Wege gehen. Der König will von Gottes Wort nichts mehr wissen. Erst später sucht Saul den Rat von Samuel auf sehr eigentümliche Weise (1Sam 28,3ff.).  

Selbstverständlich hat Sauls Ungehorsam ein größeres Gewicht, weil er König ist. Er handelt immer zum Vorteil und Nutzen oder zum Schaden seiner Untertanen. Aber sind wir nicht alle Vorbilder im Glauben? Werden nicht auch unsere Worte an unseren Taten gemessen? Samuel sagt: „Egal, wem du äußerlich diese Tiere opferst, entscheidend ist, wem dein Herz gehört. Du könntest dieses Opfer genauso anderen Göttern bringen. Ohne Gehorsam hat dein Gottesdienst keinen Wert.“  

Fragen (und Anregungen) zum Gespräch:

  • Wir lesen das Gespräch zwischen Saul und Samuel (V. 12-31) in verteilten Rollen! Wie ist es um das Schuldbewusstsein des Königs bestellt? Möglicherweise kommen wir zu unterschiedlichen Ergebnissen
  • Das Wort vom Gehorsam, der besser ist als Opfer, spielt in der Lehre von Jesus eine wichtige Rolle (z. B. Mt 7,21; 9,13). Das verwundert nicht, beruht doch das Leben, Leiden und Sterben von Jesus auf dem bedingungslosen Gehorsam seinem Vater gegenüber (Phil 2,8f). Jesus weiß: Auf dem Gehorsam ruht die Verheißung (1Mo 22,18). Denn der Gehorsam erwächst aus einer lebendigen Beziehung mit Gott. Und doch scheint heute der Gedanke daran nicht mehr attraktiv zu sein.
    Wir erzählen einander: Welche Bedeutung hatte Gehorsam in meinem Leben als Christ? Was lockt und was hindert mich, Gottes Geboten und Werten zu folgen?

Lieder: GL 438, FJ5 219 Höre mich

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