1. Samuel 17, 1-58
Texterklärung
Die Philister stammen wohl aus dem ägäischen Raum und sind über Kreta und Zypern eingewandert (vgl. Jer 47,4; Am 9,7). Sie stellten eine erhebliche militärische Bedrohung für Israel dar. Politisch waren die Philister in einem Städtebund organisiert – der später sogenannten Pentapolis („Fünf-Städte-Verband“). Dieser Verbund umfasste die Stadtstaaten Gaza, Gat, Aschdod, Aschkelon und Ekron, die jeweils von einem lokalen Fürsten regiert wurden. Von der Bezeichnung „Philister“ leitet sich schließlich die Bezeichnung der gesamten geographischen Region Palästina ab.
Riesenunterschied
Es gibt so viele Geschichten, in denen das Kleine und Schwache das Große und scheinbar Übermächtige besiegt. Der kleine Frodo zieht aus, um durch sein großes Herz und seine Treue die Macht des Bösen zu schlagen. Harry Potter kämpfte gegen Voldemort, der tollpatschige Panda gegen Tai Lung. Mulan mischt sich unter eine Männerarmee und besiegt die Gegner.
Auch diese Geschichte wird häufig erzählt wie ein Heldenspielfilm: Der kleine Junge David, der den großen Gegner Goliat besiegt. Auf den ersten Blick ist das nicht falsch: David ist ein kleiner Hirtenjunge. Er ist eigentlich nur da, um seine älteren Brüder im Heer mit Essen zu versorgen. An mehreren Stellen wird er „Knabe“ genannt (v. 33; 42). Bei Goliat hingegen wird in verschiedener Form darauf hingewiesen, wie absolut überlegen er jedem Israeliten und damit auch David ist. Er ist ein Vorkämpfer, er müsste wohl zwischen 2,70 und 3,20 Meter groß gewesen sein (V. 4). Er trägt einen Helm, einen Schuppenpanzer, ein Schwert und bei all dem wird jeweils betont, wie schwer das alles war. Sicher ist demnach: Goliat war nicht nur groß, sondern auch stark.
Die Furcht Israels ist verständlich: Goliat verkörpert alles, was menschlich unbesiegbar scheint. Doch der Text zeichnet in meinen Augen Goliat nicht so groß, damit David anschließend umso heldenhafter dasteht, sondern um klarzumachen: Gegen einen solchen Gegner helfen kein menschlicher Mut und keine menschliche Taktik.
Sichtweise
David tritt nicht an, weil er sich für stark hält oder weil er sich selbst etwas beweisen will. Entscheidend ist sein Blick: Er sieht nicht zuerst die Macht des Gegners, sondern die Verhöhnung Gottes (V. 26 + 36). Für ihn geht es nicht um einen Kampf zwischen ihm selbst und dem Philister, sondern darum, dass ein Mensch „die Schlachtreihen des lebendigen Gottes“ verspottet. David interpretiert damit die Situation geistlich: Es geht um Goliats Ehre.
Und weiter geht es auch nicht um den schwachen David, der zum starken Helden wird, sondern um Gott selbst, der kämpft. David steht deutlich vor Augen: Gott selbst wird handeln. Darum geht er mit nichts als einer Schleuder in der Hand. Er spricht: „Der Herr, der mich von dem Löwen und Bären errettet hat, der wird mich auch erretten von diesem Philister.“ (V. 37). Und: „Der Krieg ist des Herrn.“ (V. 47). Auch als der Stein Goliat trifft, wird nicht David als Held gefeiert. Der Sieg kommt augenblicklich, überraschend, ohne heroische Überhöhung. Der Text lässt keinen Zweifel: Gott hat den Riesen zu Fall gebracht.
Was bedeutet das für unser Leben?
Wir lesen die Geschichte falsch, wenn wir meinen, David hätte uns vom Schlachtfeld aus zugerufen: Auch du kannst es, auch du kannst die Dämonen und Riesen deines Lebens besiegen! Es geht nicht darum, dass wir unsere Riesen besiegen, sondern dass Gott für uns kämpft. David ist nicht Vorbild für heroischen Mut, sondern für Vertrauen in einen allmächtigen Gott.
Die Geschichte lädt uns ein, uns im Angesicht der „Riesen“ unseres Lebens weniger auf uns und mehr auf Gott zu verlassen. So erinnert uns David erneut, wie Glauben aussieht: Er rechnet damit, dass Gott eingreift. Und genau das verändert die Situation. Der Sieg gehört nicht dem kleinen Helden, sondern allein dem großen Gott.
Fragen (und Anregungen) zum Gespräch:
- Warum nicht einmal ganz praktisch werden? Man könnte gemeinsam oder jeder für sich einen großen „Riesen“ aus Pappe gestalten und ihn mit all den Riesen des eigenen Lebens beschreiben. Alles, was uns einschüchtert, bekommt sichtbar einen Platz auf diesem Riesen.
- Anschließend können kleine Steine beschriftet werden mit Zusprüchen Gottes: Verheißungen, Trostworte, Bibelverse, kurze Gebete. Anschließend „werfen“ wir diese Zuspruch-Steine auf den Riesen als Zeichen: Nicht wir besiegen unsere Riesen, sondern Gott kämpft.
- So wird sichtbar, was der Text lehrt:
Der Kampf ist nicht unsere Leistung.
Der Sieg liegt nicht in unserer Stärke.
Gott selbst tritt dem entgegen, was uns übermächtig erscheint.
Lieder: GL 359, GL 230
