1. Samuel 18, 1-30
Texterklärung
Der Text markiert eine Zäsur im Leben Davids. Davor war er als Hirte tätig, der den Brüdern Essen ins Heereslager gebracht, dort Goliat begegnet, gegen ihn kämpft und gesiegt hatte. Dadurch kommt David an den Königshof, wo für ihn ein Leben als Soldat beginnt. Er wird für Saul bzw. das Volk Israel kämpfen. Er wird Freund von Jonatan, und er wird der Musiktherapeut Sauls (V. 10). Doch Sauls Missgunst gegenüber David wird immer größer. Zwar wird David sein Schwiegersohn, jedoch trachtet Saul ihm immer mehr nach dem Leben.
Freundschaft zwischen Jonatan und David
Nach seinem Sieg über Goliat, wird David von Saul an den Königshof geholt. Dort lernen sich David und Sauls Sohn Jonatan kennen. Es entsteht eine Freundschaft zwischen den beiden. Eigentlich zwischen zwei ungleichen Männern: einerseits David, der Hirtenjunge und spätere Thronfolger und andererseits Jonatan, der Königssohn, der eigentlich Thronfolger gewesen wäre. Dass Jonatan David einen Mantel und Kriegsausrüstung schenkt, erinnert an Josef, der ebenfalls mit einem besonderen Mantel und später in Ägypten mit Macht beschenkt worden war. Es ist beeindruckend, wie die Freundschaft zwischen David und Jonatan halten wird, obwohl sie durch die Frage der Thronfolge auf eine Zerreisprobe gestellt wird. Doch das Freundschaftsband zwischen den beiden hält dem stand (1Sam 20).
Erwählt zum König: Saul und David
Saul und David: beide Männer wurden, für sie selbst ganz unerwartet, von Gott auserwählt und von Samuel zum König gesalbt (1Sam 10; 1Sam 16). Saul ist bei seiner Erwählung ein großer stattlicher Mann, David hingegen ein kleiner Hirtenjunge. Bei der Herausforderung Goliats (1Sam 17) wirkt Saul allerdings ratlos, passiv und ängstlich, während David mutig und im Vertrauen auf Gott handelt und den Feind besiegt. Was für ein Unterschied! Worin liegt dieser wohl begründet? In der Herzenshaltung der beiden oder im Charakter der Männer? Im Blick auf das eigene (Un-)Vermögen oder im Vertrauen auf Gott?
Davids Erfolg
David wird am Königshof zum Soldaten und Kämpfer, der erfolgreich im Kampf ist und damit aufsteigt und Truppenführer wird. Durch seinen Erfolg im Kampf gewinnt er die Gunst des Volkes. Er wird bejubelt und besungen (V. 7+8). Doch er bleibt auch im Erfolg bescheiden. Er maßt sich nicht an, die Königstochter zu heiraten (V. 18), und er lässt sich von der List Sauls nicht verärgern (V. 22). Vielmehr erbringt er den geforderten Brautpreis (V. 27) und erarbeitet sich somit Stellung und Anerkennung. Saul erkennt, dass Gott mit David ist (V. 28). Doch der Erfolg Davids vergrämt Saul und er wird ihm zum Feind (V. 28+29).
Sauls Veränderung
Hätte Saul nicht Davids Mentor sein können? Hätte Saul sich nicht freuen müssen, einen Krieger zu haben, der dem Volk zum Sieg gegen die feindlichen Heere verhilft? Denkt Saul nur egoistisch anstatt im Interesse seines Volkes? Warum überwiegen bei ihm Eifersucht, Neid und Hass? So schickt er David an die vorderste Front, in der Hoffnung, dass er dort sterben würde. (Was David später mit Uria in ähnlicher Weise tun wird, s. 2Sam 11.)
Sauls Veränderung könnte mit einer psychischen Krankheit erklärt werden, möglicherweise hat er eine depressive Veranlagung. In V. 10 heißt es, dass er wie ein Wahnsinniger tobt. Schwer zu verstehen ist, dass ein „böser Geist von Gott“ über Saul kommt. Kann Gott seine Berufung gereuen (1Thess 5,24)?
Ein Mann nach dem Herzen Gottes
Was ist bei David anders? Was macht ihn zu dem Mann nach dem Herzen Gottes, wie er von Paulus beschrieben wird (Apg 13,22). Drei Punkte fallen im Leben Davids dazu auf: Erstens: David ist im Gespräch mit Gott. Das wird deutlich im Buch der Psalmen. Zweitens: David ermächtigt sich nicht selbst. Er verschont Saul, als er die Gelegenheit gehabt hätte, ihn zu töten (1Sam 24 + 26). Drittens: David ist bereit, sich korrigieren zu lassen und Buße zu tun. Das zeigt sich in seiner Reaktion, als der Prophet Natan David mit seinem Fehlverhalten bzw. seiner Schuld konfrontiert (2Sam 12).
Fragen (und Anregungen) zum Gespräch:
- Man hat den Eindruck: David ist von Gott begünstigt, Saul wird von Gott verstoßen. Kenne ich Situationen, in denen ich auch den Eindruck habe, dass die einen gesegnet und andere benachteiligt sind? Wie kann ich damit umgehen?
- Das unterschiedliche Verhalten von Saul und David kann wie ein Spiegel sein,
Lieder: FJ1 91 Das Höchste meines Lebens, FJ5 41 Du bist gut
