Matthäus 10,34-42
Korrigiert zu werden, ist fast nie angenehm, aber in berechtigten Fällen notwendig, damit es besser werden kann. Ich denke an eine Familienfreizeit, bei der Jugendliche durch einen nächtlichen Streich schlafende Kinder weckten. Die Folge war eine fast durchwachte Nacht für einen großen Teil der Freizeitgruppe. Die Freizeitleitung griff am nächsten Morgen deutlich ein. Die Korrektur war laut, klar und berechtigt – und sie tat weh. Mit traurigen und schuldbewussten Augen saßen die Jugendlichen beim Frühstück.
Auch Jesus muss seine Jünger korrigieren – und ganz sicher auch uns. Viele verbinden mit Jesus den Satz: „Wenn dich jemand auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin.“ Ein prägender Satz aus der Bergpredigt, der ganz nach Jesus, dem Friedensfürsten, klingt. Doch nur drei Kapitel später klingt Jesus ganz anders. Hier ist nicht von Wange hinhalten die Rede, sondern von Schwert, Streit und Spaltung.
Jesus korrigiert ein falsches Denkmuster seiner Jünger. Mit ihm zieht nicht nur der Friede ein, sondern mit ihm können auch Streit, Spaltung und Bedrängnis ins Leben kommen. Dieser Gedanke wirkt befremdlich, gerade im Licht der Bergpredigt. Doch genau deshalb braucht es diese Korrektur. Mit dem Kommen Jesu hat nicht nur das Friedensreich Gottes begonnen, sondern auch eine Zeit der Entscheidung.
Das „Schwert“, von dem Jesus spricht, ist nicht wörtlich zu verstehen. Er ruft nicht zur Gewalt auf und reicht seinen Jüngern keine Waffen. Das Schwert steht für Angriffe, Widerstand und Schwierigkeiten, die Menschen erfahren, wenn sie sich auf seine Seite stellen. Die Welt reagiert nicht neutral, wenn Jesus ins Leben tritt. Wer sich von dem abwendet, was in der Welt als groß und wichtig gilt, und nach dem fragt, was bei Jesus zählt, muss mit Gegenwind rechnen. Darauf bereitet uns Jesus mit diesem Text vor.
Jesus begegnet hier dem Trugschluss, dass Nachfolge mit Applaus verbunden sei. Streit, Ablehnung und Spaltung können dazugehören – sogar bis hinein in die engsten familiären Beziehungen. Er korrigiert die Vorstellung, Nachfolge bedeute nur Frieden, Freude, Kraft und Gelassenheit. Ebenso können Unverständnis, Ablehnung, Spott und im Extremfall sogar Feindschaft dazugehören.
Dieser Text ist jedoch keine Aufforderung, aktiv Streit zu suchen oder Familien zu spalten. Niemand wird hier aufgerufen, Beziehungen abzubrechen. Aber wer zu Jesus gehört, wird darauf vorbereitet, dass Trennung und Ablehnung möglich sind – auch dort, wo sie besonders schmerzen.
Was tust du aus Liebe? (V. 37-39)
Nachdem Jesus auf Konflikte selbst im engsten Familienkreis vorbereitet hat, spitzt er seine Worte weiter zu. Er fordert eine größere Liebe zu sich als zur eigenen Familie. Im Alten Testament ist nur eine Liebe höher als die familiäre: die Liebe zu Gott. Diese Liebe fordert Jesus nun für sich ein. Damit stellt er sich für seine damaligen Hörer auf eine Stufe mit Gott – für viele Juden war dies Gotteslästerung.
In den Versen 37–39 liegt der Knackpunkt. Jesus warnt: Es wäre falsch, der familiären Harmonie mehr Gewicht zu geben als dem Glauben an Jesus Christus und den Glauben dadurch zurückzustufen. Jesus fordert vielmehr dazu auf, dem Glauben mehr Gewicht zu geben als der Harmonie der Familie. Aus Liebe zu Jesus werden familiäre Konflikte in Kauf genommen. Vers 39 fasst diese Zuspitzung zusammen. Wer sein irdisches Leben höher gewichtet als das ewige, verliert es. Wer das ewige Leben höher gewichtet als das irdische, gewinnt ewige Existenz.
Angst ein schlechter Ratgeber (V. 40-42)
Trotz des angekündigten Schwertes, trotz Ablehnung und Feindschaft ruft Jesus seine Jünger nicht zum Rückzug auf. Im Gegenteil: Durch sie soll die Welt Segen erfahren. Wer Jünger aufnimmt, nimmt Christus auf – und damit den, der ihn gesandt hat.
Angst vor Ablehnung darf nicht zur Abschottung führen. Wenn sich Christen aus Furcht verbarrikadieren, kann niemand ihnen ein Glas Wasser reichen und niemand den Lohn empfangen, den Gott verheißt. Gerade durch Menschen, die trotz Widerstand zu Jesus stehen, kann die Welt Segen erfahren.
Fragen zum Gespräch:
1. Wann habe ich selbst schon einmal eine Korrektur erfahren oder jemanden korrigiert? Wie habe ich das erlebt?
2. Habe ich erlebt, dass mein Glaube zu Spannung oder Distanz im Leben oder in Beziehungen geführt hat?
3. Wie geht es mir mit der Forderung Jesu, ihn mehr zu lieben als die eigene Familie?
4. Wo stehe ich persönlich zwischen dem Wunsch nach Harmonie und der Treue zu Jesus?
Lieder: GL 427, FJ Best of 32 Wo ich auch stehe
