Matthäus 11,25-30
Texterklärung
Matthäus 11 spricht von Spott (V. 16-19) und fehlender Umkehr (V. 20-24) Jesus gegenüber. Was sagt Jesus? Er allein kennt Gott. Nur bei ihm offenbart sich Gott, zeigt sein Herz. Das sprengt alle religiösen Denksysteme, bleibt den selbstsicheren „Schrift-Checkern“ verschlossen. Den ungebildeten Bedürftigen (Mt 5,3) wird es aufgeschlossen. Das „Joch“, ursprünglich der Querbalken auf dem Nacken von Zugtieren, ist damals ein festes Bild für „das Joch der Gebote“, also der Lebensordnung, der man sich unterordnet.
Ein Wort zum Aufatmen
„Kommt zu mir!“ (V. 28) Wir sollen bei Jesus Gnade entdecken, angenommen zu sein ohne Wenn und Aber, nie mehr allein, unendlich geborgen. Es geht um Jesus, der entlastet und aufrichtet. Kein Wunder, dass dieser Satz wohl die Nr. 1 aller christlichen Kalenderworte ist. Was für eine Einladung!
Mal ehrlich: Atmen wir auf?
Christen kennen dieses Wort. Kennen wir auch diese Erfahrung? Es klingt oft anders. „Es ist zu viel, was ich im Christsein, in der Gemeinde bringen muss. Ich kann nicht mehr.“
Ich kann Nachfolge als Prüfung missverstehen: Ist mein Glaube echt? Ich kann die Worte von Jesus als Gebote-Katalog missverstehen, statt als Bilderbuch, das ausmalt, wie heilsam und schön das werden kann und will: Reich Gottes – Glauben, Hoffen, Lieben – schon heute. Ich kann mich so einbringen, so einspannen lassen, dass ich immer unter Druck und getrieben bin. „Meine Last ist leicht“, sagt Jesus. Es ist ein „Joch“, eine Lebensordnung, aber keine (er)drückende, die mir die Luft zum Atmen nicht. Nein, wir sollen Frieden finden, eine „leichte“ Lebensordnung, die tragbar ist und die mich trägt.
Wie können wir das entdecken? Nur in der Nähe von Jesus lernen wir:
Seine Gnade genügt. Ich kann nichts mehr tun, sein Ja zu mir größer zu machen. Ich kann nichts mehr tun, es zu verlieren. Daran klammere ich mich. Hier bin ich sicher, ich atme auf.
Bei ihm lerne ich „Leben Marke Jesus“. „Kommt und lernt von mir!“ Wenn wir von ihm lernen, werden wir Ruhe finden. Lernen bei ihm, der in allen Krisen (s. unser Kapitel), in einem so vollen Leben und bei so vielen Ansprüchen ein Leben des Friedens führte, gelassen lebte, voller Kraft, tief verbunden mit dem Vater, anstatt besorgt und getrieben zu sein.
Lehrling werden
Jesus hat selten Bekenntnisse abgerufen. Er hat eingeladen: Folge mir nach! Nachfolgen bedeutete: Mit dem Rabbi Jesus mitgehen, seine Nähe suchen, zuschauen und lernen. Und dann, damals: einüben, zu leben wie Jesus. Heute, in einer anderen Zeit, zu fragen und zu üben: Was würde Jesus tun, wenn er an meiner Stelle wäre?
Wie wäre das, neu bei Jesus selbst Lehrling zu werden? Diese Übersetzung von „Nachfolge“ fand ich bei Marc Comer[i]. Bei Jesus in die Lehre gehen, von seiner Ruhe und Gelassenheit, von seinen Lebensregeln, seinen Disziplinen zu lernen. Und so das Leben in Fülle und das Leben im Frieden zu entdecken.
Comer fragt: Wie können wir aus der Rastlosigkeit herausfinden? „Rastlosigkeit ist der große Feind des geistlichen Lebens.“ Wie können wir in die Kraft und Gelassenheit von Jesus finden, der Frieden bringt? Comer entdeckt bei Jesus vier Disziplinen, um Ruhe zu finden:
Stille und Einsamkeit: Bewusster Rückzug von Lärm, Reizen und Dauerkommunikation.
Das Ziel: Gott wahrnehmen, seine leise Stimme hören, innere Klärung.
Ruhetag: Jede Woche einen ganzen Tag der Ruhe. Ziel: Einmal aufhören, zu leisten, Vertrauen einüben, Freude und Dank kultivieren.
Einfachheit: Reduktion von Besitz und ein einfacher Lebensstil. Ziel: Freiheit von Überlastung, Raum für Wesentliches schaffen.
Langsamkeit: Bewusstes Verlangsamen unseres Lebensrhythmus. Ziel: Leben im Takt von Jesus
Das sind Disziplinen, das ist eine Lebensordnung. Es geht um einüben, dranbleiben, hinfallen, aufstehen und weitermachen. Es geht um die Lebensordnung Jesu, die etwas kostet, aber so anders ist als das erdrückende Joch.
„Kommt zu mir. Lernt von mir! So werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht.“
3. Praxishilfen
Glauben = bei Jesus Lehrling sein – ein spannendes Bild. Wir lesen einander mehrfach langsam und laut die Verse 28-30 vor.
Fragen:
- Wo erlebe ich Geborgenheit und Frieden in meinem Glauben, meiner Nachfolge und wo gerade nicht?
- „Rastlosigkeit ist der große Feind des geistlichen Lebens.“ Ist das so?
- Welche der vier Disziplinen der Nachfolge möchte ich tiefer einüben? Warum diese und wie?
- Wie können wir uns gegenseitig unterstützen, eine Gemeinschaft von Lehrlingen zu werden und zu bleiben?
Lieder: GL 219,FJ5 123 Ich folge dir
[i] Marc Comer, Das Ende der Rastlosigkeit, SCM.
