Esra 5,1-17
Texterklärung
Die Ereignisse dieses Kapitels fallen in die Zeit der Verkündigung der Propheten Haggai und Sacharja. Dabei befinden wir uns im zweiten Jahr der Herrschaft des Perserkönigs Darius I. (522-486 v. Chr.), also ca. 520 v. Chr. (Hag 1,1). Das Kapitel berichtet vom Wiederaufbau des Tempels in Jerusalem, dem Statthalter Serubbabel und dem Hohenpriester Jeschua. Doch das Projekt erfährt Anfeindung von außen: Der Statthalter Tattenai, der auch in außerbiblischen Quellen für diese Zeit belegt ist, stellt das ganze Unternehmen infrage. Der größte Teil des Kapitels (V. 6-17) ist eine Abschrift des Briefes an König Darius, in welchem Tattenai diesem von seinem Besuch berichtet und ihn bittet, die Rechtmäßigkeit des Tempel-Wiederaufbaus zu überprüfen.
Am Anfang war das Wort …
Es ist interessant, dass der Anfang des Kapitels zuerst das Wirken der Propheten betont. Der Wiederaufbau des Tempels ist eine Reaktion auf die Verkündigung des göttlichen Prophetenwortes. Die Propheten, als Sprachrohr Gottes, verkünden in aller Klarheit, dass der Wiederaufbau des Tempels Gottes Plan und Wille ist. Der Wiederaufbau des Tempels ist also die Sache Gottes.
Doch ihm geht die Verkündigung des Wortes Gottes voraus. Erst als dieses Wort die Herzen der Menschen bewegt und indem Gottes Geist sie befähigt, beginnt der Wiederaufbau. Die Propheten sind dabei nicht nur Impulsgeber, sondern sie begleiten das Geschehen auch. Durch Worte der Zuversicht und Hoffnung „stärken“ sie die Bauleute (Esr 5,2). Genauso sollte für unser Handeln in den Gemeinden die Verkündigung des Wortes Gottes grundlegend sein.
Hört, hört!
Doch ebenso wie die Verkündigung braucht es das Hören auf das Wort Gottes. Als die Menschen das Wort Gottes hören, werden sie von einer neuen Gottesfurcht ergriffen (Hag 1,12). Diese veranlasst sie, den Tempelaufbau zu wagen.
Dem Tun des Willens Gottes geht das Hören auf sein Wort voraus. Nur Menschen, die sich das Wort Gottes sagen lassen und es hören, sind auch bereit seiner Stimme zu gehorchen und seinen Willen zu tun. Allen Widerständen und Schwierigkeiten zum Trotz. Auch Jesus verbindet das Hören und Gehorchen im Johannesevangelium: „Meine Schafe hören meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir“ (Joh 10,27).
Das Hören auf das Wort Gottes ermutigt, stärkt, befähigt und macht resistent gegen Anfeindungen von außen. Sogar Tattenai berichtet in seinem Brief von der selbstbewussten geistlichen Antwort, die ihm die Bauleute auf seine Frage geben: „Wir sind Knechte des Gottes des Himmels und der Erde und bauen das Haus wieder auf“ (Esr 5,11). Also lassen wir unsere Herzen immer wieder von diesem Wort bewegen.
Die Gegner lassen nicht lange auf sich warten
„Gottes Sache und der Dienst seiner Gemeinde werden im gegenwärtigen Äon nie unwidersprochen bleiben“, so drückt es Hans Brandenburg aus. Die Sache Gottes geht voran und schon bald stehen Kritiker und Gegner vor der Tür. Hier in Gestalt des Statthalters Tattenai, der im Auftrag des Perserkönigs die Gebiete Syrien, Phönizien und Palästina verwaltete. Er hört von dem Wiederaufbau des Tempels, stellt diesen jedoch infrage und macht sich selbst auf den Weg nach Jerusalem, um sich selbst ein Bild zu machen.
Da die Bauleute sich durch seinen Besuch nicht einschüchtern lassen und auf den Beschluss des Königs Kyros II. (559-530 v. Chr.) verweisen, den Tempel in Jerusalem wieder aufbauen zu lassen, wendet sich Tattenai an den König.
Die Gegner des Volkes Gottes sehen in der Wiedererrichtung des Tempels Grund zur Sorge. Sie fühlen sich bedroht von einer Gemeinschaft, die sich um die Gegenwart Gottes versammelt und sich von der Gegenwart Gottes in diesem Volk her versteht. Deshalb versuchen sie, die Sache Gottes zu korrumpieren. Doch Gottes Pläne lassen sich nicht durch seine Gegner verhindern: „Aber das Auge ihres Gottes war über den Ältesten der Juden, dass ihnen nicht gewehrt wurde“ (Esr 5,5).
Gott lenkt diese Welt nach seinem Willen und er bringt seine Pläne zum Ziel. Auch durch und vielleicht auch trotz der Könige und Herrscher anderer Völker – und auch durch und trotz seines Volkes und seiner Gemeinde.
Fragen
- Wie steht es in unseren Gemeinden mit dem Hören auf das Wort Gottes? Stimmt die Reihenfolge, dass aus dem Hören das Handeln kommt oder ist es andersherum?
- Wo begegnen uns Widerstände, die versuchen uns einzuschüchtern und abzuhalten? Welche Gewissheit und welche Glaubenswahrheiten stellen wir ihnen entgegen?
Lieder: GL 469, FJ5 205 Bau dein Königreich
