Esra 8,15-36
Texterklärung
Esra, der Leiter des 2. Rückkehrzugs aus dem babylonischen Exil, steht vor einer riesigen Herausforderung. Eine viermonatige Reise durch Feindesland liegt vor ihm. Dazu die Verantwortung, schätzungsweise 5000 Menschen (Esr 8,1-14 zählt 1500 Männer) und den Tempelschatz, unglaubliche Mengen an Gold und Silber (insgesamt 850 Zentner, vgl. V26) sicher ans Ziel nach Jerusalem zu bringen. Unsere persönliche Lebensreise führt uns durch eine herausfordernde Welt. Von Esra können wir lernen, wie wir sicher ans Ziel im himmlischen Jerusalem kommen.
Sehnsucht nach Gottes Gegenwart
Esra ist angetrieben von einer tiefen Sehnsucht nach Gottes Gegenwart. Gottes Gegenwart zu suchen und in ihr zu leben, darin liegt seine Priorität. Das zeigt sich in den Entscheidungen:
Im zerstörten Jerusalem wird zuerst der Tempel als Ort von Gottes Gegenwart aufgebaut, erst danach erfolgt der Bau der Stadt und ihrer Mauern. Den Verantwortlichen und Esra ist klar: Wir brauchen Gottes Gegenwart, ohne ihn geht es nicht. Er ist unser Schutz, unsere Hilfe.
Die Sehnsucht nach Gottes Gegenwart konkretisiert sich auch beim Aufbruch zur Reise: Am Fluss Ahawa (V. 15) fastet und betet Esra mit den Rückkehrwilligen. Sie suchen Gottes Gegenwart, „damit wir uns vor unserm Gott demütigten, um von ihm den rechten Weg zu erbitten für uns und unsere Kinder und alle unsere Habe“ (V. 21).
Welch ein Segen liegt darauf, wenn wir beim Aufbruch in unseren Tag Gottes Gegenwart suchen und uns von ihm ausrichten lassen auf die Herausforderungen und Entscheidungen, die vor uns liegen.
Gott Gott sein lassen: Gottvertrauen statt menschlicher Absicherung
Esra weiß: Vertrauen auf Gottes Gegenwart und unheilige Allianzen mit der Welt schließen sich gegenseitig aus. Gott die Ehre geben heißt auch, die Kontrolle nicht an uns reißen. Deshalb bittet Esra den babylonischen König nicht um eine Eskorte (V. 22). In deinen Herausforderungen: Der Schöpfer des Universums, der allmächtige Gott steht an deiner Seite. Der Wolken Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, wo dein Fuß gehen kann. Gott hat dich auf dem Schirm – du kannst ihm vertrauen. „Die Hand unseres Gottes ist zum Besten über allen, die ihn suchen …“ (V. 22, 31).
Verantwortung für die Schätze übernehmen, die Gott uns anvertraut
Wo Gott Esra Verantwortung überträgt, dort hütet er die anvertrauten Schätze Gottes verlässlich. So sieht er Menschen als anvertraute Schätze. Die Leviten waren der von Gott ausgesonderte und mit geistlichen Sonderrechten ausgestattete Stamm. Ihre geistliche Berufung lag im Tempeldienst. Doch unter den geschätzten 5000 Rückkehrern befindet sich kein einziger Levit. Wenn wir uns wie die Leviten in der Welt („in Babel“) einrichten, werden wir gleichgültig gegenüber unseren geistlichen Berufungen und Vorrechten. Als Hirte geht Esra den Leviten nach, er schickt eine Gesandtschaft (V. 16), er motiviert zum Dienst. Dieselbe Verantwortung gegenüber Gott zeigt Esra bei den ihm anvertrauten riesigen Geldmengen. Esra achtet darauf, dass der Schatz gut von ehrbaren Menschen begleitet wird. Er erinnert sie daran, dass sie für den Herrn ausgesondert und die Gaben heilig sind (V. 28, 29).
Auch uns hat Gott Schätze anvertraut (Kinder, Gaben, Geld, Berufung, Menschen, Evangelium), um sie zu bewahren und zu beschützen für das himmlische Jerusalem (vgl. 2Tim 1,14: „Dieses kostbare Gut, das dir anvertraut ist, bewahre durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt.“).
Verheißung und Segen
Auf Esras Handeln liegt eine große Verheißung: Wo wir Gott an die erste Stelle setzen, wo wir ihn Gott sein lassen und ihm treu dienen, werden wir Segen erleben. Zwei Hinweise öffnen den Blick vom irdischen Jerusalem Esras ins himmlische Jerusalem: Die Zeitangabe „drei Tage“ rahmt unseren Textabschnitt (V. 15, 32) und erinnert an die drei Tage von Jesu Tod bis zu seiner Auferstehung. 12 junge Stiere für ganz Israel werden geopfert (V. 35) – alle werden einbezogen, auch die Zurückgebliebenen – ein Ausblick auf den Himmel, in dem Israel und jeder einzelne vollständige Wiederherstellung erfahren wird.
Wenn wir Gottes Gegenwart suchen, ihm vertrauen und Verantwortung für die uns anvertrauten Schätze übernehmen, werden wir sicher am Ziel im himmlischen Jerusalem ankommen und andere mitbringen.
Fragen
- Wo haben wir uns wie die Leviten in der Fremde gemütlich eingerichtet?
- Wo kann unser Vertrauen auf Gott zum Zeugnis für andere werden (vgl. V. 22)?
- In welcher konkreten Lebenssituation möchte Gott uns ermutigen, wie Esra die Kontrolle abzugeben und ihm zu vertrauen?
- Welche Schätze hat Gott uns anvertraut (Kinder, Gaben und Fähigkeiten, unsere Berufung)? In welchen Situationen sind wir gerufen, Verantwortung für diese Schätze zu übernehmen? Wie können wir die uns anvertrauten Menschen ans Ziel bringen?
Lieder: GL 635, FJ Best of 105 Gott vor allen Zeiten
