02/2026-03/2026

Freundschaft in der Zerreißprobe

1. Samuel 20,1-34 (35-42)

Vorgeschichte und Texterklärung


David und Jonatan sind Freunde geworden (1Sam 18), doch Saul ist neidisch auf Davids Erfolg und fühlt sich bedroht. Erst versucht er hinterlistig, Davids Tod herbeizuführen, dann verfolgt er ihn öffentlich. Dank einer List seiner Frau entkommt David und flieht zu Samuel. Dort kann Saul ihn nicht festnehmen, weil er selbst von Gottes Geist ergriffen wird (1Sam 19). Obwohl Gott ihn durch übernatürliches Eingreifen vor Saul bewahrt hat, bleibt David nicht bei Samuel. Er sieht sich in Todesgefahr und flieht zu Jonatan, um von ihm Gewissheit und Schutz zu bekommen.

Loyalitätskonflikt (V. 1-3)

David stellt die Schuldfrage, was er gegenüber Saul getan habe. Ob er wirklich an sich selbst zweifelt oder ob er rhetorisch seine Unschuld betont, bleibt offen. Jonatan glaubt nicht, dass Saul David töten will. Er ehrt seinen Vater, indem er positiv über ihn spricht (vgl. das 4. Gebot). Gleichzeitig verbindet ihn mit David eine enge Freundschaft (1 Sam 18). Um in Loyalitätskonflikten zu bestehen, braucht es eine klare Sicht, für welche Werte man selbst steht.

Stimmungstest (V. 4-8)

Als Heerführer müsste David beim Neumondfest (4Mo 10,10) am Königshof sein; er bittet Jonatan als seinen Vorgesetzten, ihn zum Schein für ein Familienfest freistellen. An der Reaktion Sauls auf sein Fernbleiben will David ablesen, ob Saul noch Mordpläne gegen ihn hat. In seiner Angst setzt David hier auf eigene Pläne, die nicht wahrhaftig sind – wir lesen nichts davon, dass er betet und bei Gott Schutz sucht. Dass er scheinbar seine Familie aufsucht, kann Sauls Misstrauen weiter erhöhen. Angst ist oft ein schlechter Ratgeber. Es ist weise, Gottes Sicht zu erbitten.

Eindeutig (V. 9-17)

Jonatan stimmt zu und entscheidet sich, seinen Vater auszuhorchen und das Ergebnis David mitzuteilen. Er erneuert den Freundschaftsbund mit David und sagt: „Der Herr sei mit dir, wie er mit meinem Vater war“ (V. 13). Damit anerkennt er Gottes Entscheidung, der Saul verworfen und statt ihm – dem Kronprinzen – David erwählt hat. Seine demütige Haltung ist bemerkenswert. David verspricht im Gegenzug, Jonatan und seine Nachkommen zu schützen und hält sich im weiteren Verlauf auch daran (2Sam 9). Beide verabreden, dass Jonathan David von Sauls Reaktion berichten wird; als Tarnung vereinbaren sie ein Schießtraining auf dem Feld. Dort versteckt sich David.

Testergebnis (V. 24-34)

Als Jonatan Davids Fehlen bei Saul entschuldigt, wendet sich Sauls Zorn nicht nur gegen David, sondern auch gegen seinen Sohn und er schleudert den Speer nach ihm. Jonatan ist tief getroffen, vor allem wegen der Worte seines Vaters gegen David. Diese verächtlichen Worte schmerzen ihn noch mehr als die Tatsache, dass sein Vater den Speer gegen ihn, seinen eigenen Sohn, erhebt. Jetzt kann er nicht mehr leugnen, was sein Vater plant (V. 2). Sich in einem Menschen geirrt zu haben, tut weh – weil man damit merkt, dass man einer Täuschung aufgesessen ist. Aber die Wahrheit erkennen, ist letztlich befreiend (Joh 8,32).

Abschied (V. 35-42)

Jonatan überbringt David das „Testergebnis“. Sie verabschieden sich voller Trauer und in der Zuversicht, dass Gott sie verbindet. „Geh in Frieden. Denn wir beide haben beim Namen des Herrn geschworen: Der Herr wird dich und mich, meine Nachkommen und deine Nachkommen für immer verbinden“ (V. 42).

Wenn wir uns von Glaubensgeschwistern verabschieden müssen, verbindet auch uns der gemeinsame Glaube und die gemeinsame Ewigkeitshoffnung.

Fragen (und Anregungen) zum Gespräch:

Habe ich mich auch schon mal so gefühlt – in solch einer „Zerreißprobe“?

  • War ich schon mal in großer Angst? Wie habe ich reagiert – wie reagiert David?
  • Jonatan muss sich entscheiden, zu wem er hält: zu seinem Vater oder zu David. Wo stehen wir als Christen in ähnlich schwierigen Entscheidungen?
  • Welches Verhalten von David halte ich für nachahmenswert – worin hinterfrage ich ihn?
  • Jonathan als Freund lebt unglaubliche Loyalität gegenüber David – weil er Gottes Handeln erkennt. Wir vergleichen ihn mit Johannes dem Täufer (Joh 3,30). Wie leicht fällt es mir, meine eigenen Wünsche zurückzustellen – für einen Freund oder weil es um Gottes Ehre geht?
  • Jesus bietet uns Freundschaft an – mehr als Jonatan für David (Joh 15,15). Was kennzeichnet meine Freundschaft mit Jesus und was bedeutet sie mir?

Lieder: GL 422, GL 460, FJ Best of 130 Gott hört dein Gebet

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