Nachdem ich am 11.11.2001 durch einen Verkehrsunfall aus meinem „vollen“ Leben als Missionar gerissen wurde und seit diesem Tag der Rollstuhl mein Fortbewegungsmittel ist, hat sich auch meine sportliche Aktivität verändert. Als Vater von fünf Kindern war das wöchentliche Fußballtraining an der deutschen Schule in Taipei/Taiwan eine gute Zeit, mich sportlich zu betätigen und gleichzeitig Zeit mit meinen drei Jungs zu verbringen.
Wieder in Deutschland hatte ich in meiner ersten Reha nach dem Unfall die Möglichkeit, das Bogenschießen auszuprobieren. Mir war schnell klar: Das ist eine Sportart, die im Rollstuhl gut auszuführen ist und die auch hilft, die verbliebene aktive Muskulatur in den oberen Extremitäten zu trainieren. Außerdem habe ich gemerkt, dass mir der Bogensport sehr viel Freude bereitet. So begann meine Karriere als Bogenschütze.
Als wir uns hier in Deutschland wieder niederlassen mussten und nicht mehr als Vollzeit-Missionare tätig sein konnten, wollte ich mich ganz bewusst nicht nur in der Kirchengemeinde einsetzen, sondern auch in ein oder zwei Vereinen Mitglied werden und mich dort als Christ bekennen.
Genial ist, dass es in unserem Ort den Bogensportclub Schömberg e.V. gibt und ich dort 2005 als neues Mitglied sehr willkommen war. Meine Vereinskammeraden freuten sich, dass ich als Rollifahrer bei ihnen trainieren wollte. Sie unternahmen alles, damit es für mich so einfach wie möglich war, hier Bogen zu schießen. Da wurde eine befahrbare Schießlinie gebaut, im neuen Vereinsheim alle Treppen bei den Eingängen durch Rampen ersetzt und ein Behinderten-WC gebaut. Ebenso wurden wir als Verein Mitglied beim Württembergischen Rehabilitations-Sportverband, sodass ich bei den Para-Bogenmeisterschaften für unseren Verein starten konnte. In den vergangen 20 Jahren habe ich es so weit gebracht, dass ich für unseren Verein zweimal den deutschen Meistertitel in meiner Klasse holen konnte.
Super Geschichte – aber hat sich in dieser Zeit auch jemand bekehrt? Leider nein. Aber das war auch nicht mein Ziel. Ich hatte in den 20 Jahren jedoch viele gute Gespräche, und etliche Vereinskameraden und -kameradinnen haben mir so manche persönliche Geschichte erzählt. Jeder weiß, dass ich Christ bin, und ich bete, dass immer mal wieder jemand ins Nachdenken kommt.
