Matthäus 27,31-56
Texterklärung
Kreuzigung und Auferstehung erzählen alle Evangelisten. Es ist das Herz biblischer Verkündigung und nur gemeinsam zu verstehen. Aus unüberbietbarer Liebe stirbt Jesus den Sühnetod und rettet die Welt (Röm 5,8; 8,31; Joh 3,16; Hebr 9). Es fällt auf: In Matthäus werden keine Dialoge zwischen Jesus und den Menschen zitiert. Die ganze Erzählung nimmt uns in die Bedeutung des Handelns Gottes hinein. Alle, selbst der Tempel und die Elemente, müssen anerkennen: Hier ist der Welten Wende, nicht ihr Ende.
Es hat sich angebahnt!
Die Passion Jesu beginnt mit Kapitel 16,21 (erste Leidensankündigung). Die Passionsgeschichte im engeren Sinne beginnt mit Kapitel 26,1 : „Und es begab sich, als Jesus alle diese Reden vollendet hatte, dass er zu seinen Jüngern sprach.“ Das ganze Geschehen und seine Erzählung verlieren an Schwung und Geschwindigkeit. Wie in Zeitlupe wird uns erzählt, was in den letzten Tagen, Stunden und Minuten geschieht.
Stationen des Leidens
Gerade noch steht Jesus vor Pilatus. Der Spott übergießt sich über ihn. Krone und Purpurmantel kleiden ihn. Dann aber ziehen sie ihn wieder aus, und führen ihn nach Golgatha (archäologisch mit Sicherheit heute am Ort der Grabeskirche in Jerusalem zu finden; damals war diese „Schädelstätte“ außerhalb der Stadtmauer). Simon von Kyerene (1942 Grabstellenfund im Kidrontal mit den Überresten von „Alexander, der Sohn Simons von Kyrene“ war) wird nur kurz erwähnt. Warum kommt er namentlich vor? Der Kreuzesweg Jesu geschieht mitten unter „Dir und mir“, und wir sind Beteiligte. Die Passionsgeschichte verändert Menschen. Sein Kreuz und mein Kreuz kreuzen sich. Nur ein einziges Wort Jesu wird uns am Kreuz überliefert („Mein Gott mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ – Ps 22,2). Die Verbrecher am Kreuz spotten bis zum Ende, Soldaten und Zuschauer sind Gaffer und Spötter. Jesus selbst redet im Matthäusevangelium nur mit seinem Vater. Wir wissen: Es gibt noch mehr Gespräch und mehr Worte am Kreuz. Wir suchen sie nicht, sondern erkennen, dass im Matthäusevangelium der Fokus auf anderen Aussagen liegt.
Das Kreuz
Nur ein Halbsatz in V. 35 erzählt die ganze Grausamkeit einer Kreuzigung. Es geht nicht um Ausschmückung der brutalsten antiken Foltermethode, sondern um die tiefe Bedeutung, was diese Kreuzigung bewirkt. Der Zerriss des Tempelvorhangs signalisiert: Der Zugang zum Allerheiligsten ist frei. Mit seinem Tod wird Jesus stellvertretend zum Erlöser und Befreier, zum Erfüller des Gesetzes („erfüllen“ als Kennwort des ganzen Matthäusevangeliums). Der alttestamentliche Bezug findet sich u.a. in 3. Mose 6,2ff. (Jom Kippur-Fest) und Hebräer 6,19f.; 9,10ff.; 10,19ff.
Die Zeitansage
Die „neunte Stunde“ (15 Uhr) wird als Sterbestunde Jesu festgehalten. Bedeutend ist, dass es die Stunde des täglichen Gebetes im Tempel (Apg 3,1; 10,3-30) war. Das Sühnopfer an Passa wird im Tempel vollzogen. Das Lamm stirbt hier und dort (2Mo 29,39.41; 4Mo 28,4.8). 1. Korinther 5,7b: „Denn auch wir haben ein Passalamm, das ist Christus, der geopfert ist“, und Hebräer 9,12: „Durch das Blut Jesu haben wir eine ewige Erlösung erworben.“
Die Kreuzigung bleibt nicht ohne Folgen
Die Kreuzigung schlägt ein wie eine Bombe. Die Erde wird erschüttert, die Sonne verfinstert sich. Vor dem Schöpfer Jesus verneigen sich alle Elemente. Die Gräber gehen auf, Heilige erstehen vom Tod. Christus hat den Tod besiegt – das ist nicht allein ein Lippenbekenntnis. Der Hauptmann und weitere Soldaten (Heiden) bekehren sich: „Siehe, das ist wahrlich Gottes Sohn gewesen.“ Wer sich unterm Kreuz versammelt, nicht nur Zuschauer, sondern Beteiligter wird, kann sich nicht entziehen. Jesus stirbt für dich!
Praxisideen:
- Ein aussagekräftiges Bild der Kreuzigung mit vielen Personen bringt uns ins Gespräch. Gebt den einzelnen Personen eine Stimme. Was sagen sie gerade? Was denken sie? Nicht auslegen, sondern in wörtlicher Rede in die Personen hineinschlüpfen.
- Das „Spottkreuz des Alexamenos“ kopieren und austeilen. Gesprächsvorschlag: „Was bringt Menschen dazu, dass sie bis zuletzt an dem Gekreuzigten festhalten und ihn bekennen – damals und heute?
- Welche Bibelstellen fallen uns ein, in denen die Bedeutung des Kreuzesgeschehen auf den Punkt gebracht werden? Wir lesen sie gegenseitig vor.
Lieder: FJ5 30 Hier am Kreuz, GL 88
