Matthäus 11,1-19
Texterklärung
In Kapitel 10 hat Jesus seinen Jüngern den Missionsauftrag und die Vollmacht dafür gegeben. Nach dieser Unterweisung macht er sich wieder auf den Weg. Zu lehren und die rettende Botschaft in allen Städten zu verkündigen, war sein Auftrag. Die folgenden Berichte sollen das Wesen der Messianität Jesu und den Unglauben Israels aufzeigen. Zudem zeigt er, wie schwer es werden kann, Jesus richtig zu verstehen.
Vom Zweifler und vom Messias (V. 1-6)
Mit welcher Überzeugung hat dieser außergewöhnliche Gottesmann Johannes auf Jesus gewiesen und ihm den Weg bereitet. In seinen gewaltigen Visionen hat er einen starken Messias gesehen mit hochgeschwungener Axt, der mit einem Hieb einen Baum abschlägt. Einen Befreier, der sich durchsetzt, der die königliche Herrschaft Gottes herbeiführt. Aber nun sitzt Johannes im Gefängnis wegen dieses Provinz-Königs Herodes und nichts geschieht. Hat er den Falschen angekündigt? Ist Jesus doch noch nicht der verheißene Messias? Dessen Auftreten hatte er sich doch so anders vorgestellt. Das bringt Johannes in tiefe Anfechtungen.
Aber es geht hier nicht in erster Linie um Johannes, sondern um Jesus. Die Antwort Jesu zeigt: in seinen Werken wird die prophetische Messias-Erwartung erfüllt. Was durch Jesus und sein Reden geschieht, ist die Erfüllung der biblischen Verheißungen. Jesus bezeugt, dass die Errettung der Welt nicht mit der Umwälzung der politischen Verhältnisse einsetzt. Sie beginnt entgegen vieler Erwartungen mit den unscheinbaren Werken der Leib- und Seelsorge an einzelnen Menschen. Dieser Messias, der sich mit Kranken abgibt und sich für die Not der Armen Zeit nimmt, mutet dem Täufer und vielen nach ihm ein völliges Umdenken zu.
Uns ist ja das unmittelbare Sehen und Hören nicht mehr gegönnt. Aber auch wir können uns gegenseitig von den realen Wirkungen Jesu und seinen Taten heute berichten.
Das ist das Trostvolle, dass Jesus den Täufer nicht verdammt – kein Wort des Tadels oder des Vorwurfs ist zu hören. Zweifeln, fragen und Antworten erwarten gehören wohl zu unserem Glauben dazu. Jesus trägt und liebt diesen Mann, der an ihm irre geworden ist und der verzweifelt nach einer tragenden Grundlage für seinen Glauben sucht. Gott ist größer als unser Herz -– auch wenn wir nicht glauben können, bleibt er doch treu.
Von Anfechtung und wirklicher Größe (V. 7-15)
Der Täufer hat Anstoß genommen an Jesus. Aber das mindert nicht sein Ansehen bei Jesus. Es hindert Jesus auch nicht daran, über ihm ein gewaltiges Lob auszusprechen. Das Volk hatte doch schon etwas wahrgenommen vom Auftrag und der Botschaft des Johannes. Sonst wären sie nicht in die Wüste hinausgezogen und hätten sich die ernste Wahrheit angehört. Er ist der einmalige Bote, den Maleachi (3,1.23) angekündigt hat. Seine Stellung in der Geschichte Gottes ist einzigartig. Darum gibt es unter allen, die je geboren wurden, keinen Größeren als Johannes. Und doch ist der Kleinste unter denen, die durch Jesus zu Gottes Reich gehören, größer als Johannes. Wiedergeborene durch Christus gehören zum Leib Christi und haben jetzt schon Anteil an der ewigen Herrlichkeit. Mehr und größeres gibt es nicht!
Von Buße und Gnade (V. 16-19)
Deutlich spricht Jesus: Ihr seid wie die Kinder auf der Gasse. Die rufen ihren Gefährten zu: Spielverderber! Wir spielten die Flöte für euch und ihr habt nicht getanzt. Wir haben einen Klagegesang angestimmt und ihr habt nicht geweint. Bengel sagt, das Schönste an diesem Gleichnis ist, dass Jesus sich mit einem Kind vergleicht, das mit anderen Kindern spielen will. Der ewige Gott steigt herab und wirbt in seiner Liebe um uns wie Kinder ihre Kameraden zum Mitspielen werben.
Aber wie reagieren die Menschen? Die Askese und der Bußruf des Johannes war nicht nach ihrem Geschmack. Jesu Umgang mit den schwierigen und verachteten Menschen und seine Gegenwart bei Festen wurden ihm jedoch ebenfalls böswillig ausgelegt. Weder die Bußpredigt noch die Evangeliumspredigt passen euch. Lasst euch doch endlich darauf ein – Gott wirbt um euch. Er will euch zeigen, was vollkommene Freude ist.
Fragen zum Gespräch
- Wo haben Anfechtungen, Zweifel und Fragen in unseren Gemeinschaften und Gemeinden ihren Raum?
- Üben wir ein, einander von den Taten und dem Wirken Jesu zu erzählen. Hört und seht – und werdet gewiss!
- Was passt mir nicht am Wirken und an den Worten Jesu, weil es meinen Vorstellungen und Erwartungen nicht entspricht? Wo bin ich das trotzige Kind, das das liebevolle Werben Jesu ablehnt?
Lieder: GL 522, FJ4 69 Ewig treuer Gott
