Matthäus 12,1-14

Texterklärung

Nachdem Jesus seinen Zuhörern Ruhe für ihre Seele zusagt (Mt 11,28-30), folgt in Matthäus 12 nun ein Abschnitt über den Ruhetag. Zentral ist dabei Vers 8, in dem deutlich wird: der Menschensohn ist Herr über den Sabbat. Das Sabbatgebot ist ein Bundeszeichen, zwischen Gott und seinem Volk Israel, welches er durch Mose verkünden lässt (2Mo 31,12-17). Es soll ein Zeichen sein, an dem deutlich wird, dass Gott es ist, der das Volk heiligt. Jesus, der als Messias Herr über den Sabbat ist, führt in die wahre Sabbatruhe.

Was seither geschah

„Zu jener Zeit“, mit diesen Worten leitet uns Matthäus in einen neuen Abschnitt. Diese Worte sind nicht unbedeutend, denn sie zeigen uns an, dass die folgenden Verse etwas mit dem zu tun hat, worum es zuvor ging. Im Abschnitt zuvor betet Jesus und dankt Gott dafür, dass er es den Weisen und Klugen verborgen und den Unmündigen offenbart hat, dass er der Messias ist. In Kapernaum, wo er sich befindet, kommen so einige „Unmündige“ zum Glauben, wie der römische Hauptmann. Es folgen bekannte und für jeden Christen auch befreiende Worte: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid …“. In Matthäus 11,28-30 geht es zweimal darum, dass Jesus uns Ruhe schenkt. Das Wort erquicken in Matthäus 11,28 steht auch für die Ruhe. Es wird aus dem gleichen griechischen Grundwort anapauo gebildet, welches wir auch in Vers 29 finden. Dieser Abschnitt steht Matthäus 12 voraus und bildet eine wichtige Grundlage.

Den Sabbat heiligen

In Matthäus 12,1-8 werden die Jünger Jesu bzw. er als ihr Rabbi von den Pharisäern angeklagt. Aus Hunger haben die Jünger in einem Kornfeld Ähren abgestreift, um diese zu essen. Nun erheben die Pharisäer Anklage, denn es ist Sabbat und die Jünger machen, was am Sabbat nicht erlaubt ist: sie arbeiten. Das Abstreifen der Ähren ist Ernte und gilt somit als Arbeit. Das Sabbatgebot ist ein Bundeszeichen zwischen Gott und seinem Volk Israel, damit sie erkennen, dass er der Herr ist, der sie heiligt (2Mo 31,12-18). Wer das Sabbatgebot bricht, muss sterben. Es handelt sich also um kein kleines Vergehen. Die Anklage, die die Pharisäer erheben, ist schwerwiegend. Jesus antwortet, wie so häufig, mit einer Frage: Wurde David bestraft als er mit seinen Gefährten, vom Hunger geplagt, die Schaubrote der Stiftshütte aß (1Sam 21)? Was ist mit den Priestern, die am Sabbat opfern (4Mo 28,9f.) also auch Arbeit verrichten, die am Sabbat verboten ist?

Die Pharisäer waren Profis darin, Regeln aufzustellen. So haben sie auch das Sabbatgebot immer weiter ausgelegt. Es wurde genau festgelegt, welche Arbeiten verrichtet werden dürfen. In der Mischna finden sich 39 Sabbatverbote. Daraus werden bis heute weitere Verbote festgelegt. Dabei entstand ein riesiges System aus Regeln, die vorschreiben, was erlaubt ist und was nicht. Eine große Last, ein Joch, dass dem Volk auferlegt wird. Ein Joch, dass nicht zu tragen ist (Apg 15,10).

Entlastung

Eine große Last? Das passt nicht zu Jesus (Mt 11,30)! Warum konnte David die Schaubrote essen? Und warum dürfen die Priester auch am Sabbat opfern? Anscheinend gibt es eine Wichtigkeit der Gebote. Der Tempeldienst scheint wichtiger als das Sabbatgebot und der Hunger von David und seinen Gefährten wichtiger als die Schaubrote. Jesus gibt ihnen (V. 7), selbst die Antwort, die sie schon längst kannten. Gott will Barmherzigkeit nicht Opfer (Hos 6,6). Der Hunger der Jünger steht über dem Sabbatgebot. Die Pharisäer haben den Blick auf die wirkliche Bedeutung des Sabbats verloren. So erkennen sie jetzt auch nicht den Messias, der die wirkliche vollkommene Ruhe gibt. Das zeigt sich auch im nächsten Abschnitt in der Synagoge, in der sie Jesus eine Falls stellen. Jesus reagiert mit einer Gegenfrage und hält ihnen ihre eigenen Vorschriften vor Augen. Unter den Pharisäern war es erlaubt, ein Tier in Not am Sabbat zu retten. Jesus sieht die Not und heilt einen Menschen, obwohl es Sabbat ist.

Der Sohn des Menschen, der Herr auch über den Sabbat ist, ist gekommen, um uns sein leichtes Joch aufzuerlegen. Kein Konstrukt aus Regeln und Verboten. Er bietet uns Ruhe für unsere Seelen. Manchmal begegnet es uns auch heute noch, dass religiöse Regeln aufgestellt werden, die an dem, was Gott sich dabei gedacht hat, meilenweit vorbeigeht. Dann kann sich Glaube wie eine Last anfühlen. Jesus lädt uns ein, ihn Herr über unseren Seelenfrieden sein zu lassen. Werden wir sein Angebot annehmen und sein Joch auf uns zu nehmen?

Fragen

–              Was hilft mir in der Ruhe bei Jesus anzukommen?

–              Welche Last liegt auf meinen Schultern?

Lieder: GL 540, FJ5 158 Eckstein

Beitrag teilen: