Johannes 14,15-26
Texterklärung
Der Text bildet das Herzstück von Jesu Abschiedsreden. Jesus nimmt sich Zeit, um seine Jünger zu stärken, zu ermahnen, zu trösten und auf das vorzubereiten, was nun vor ihnen liegt. In drei großen Linien betont er die Bedeutung der Liebe, der Gebote und des Heiligen Geistes. Die Liebe zu Jesus zeigt und entfaltet sich im Halten der Gebote. Gott sendet nach Jesu Weggang den Heiligen Geist. Er soll dauerhaft bei den Jüngern bleiben und darin unterstützen seine Mission weiterzuführen.
Liebe und Gehorsam (V.15)
Gottes Liebe geht unserer menschlichen Liebe immer voraus (1Joh 4,19). Auf dieser Grundlage ist dieser Abschnitt zu verstehen. Jesus setzt die Liebe und das Halten der Gebote (Gehorsam) in Beziehung. Wichtig ist hierbei die Reihenfolge: 1. Gottes bedingungslose Liebe gilt uns Menschen. Durch die Einhaltung von Geboten können wir sie uns nicht verdienen. 2. Geben wir von Gottes Liebe weiter, zeigt sich das, indem wir uns an seine Gebote halten. Die Liebe Jesu will unsere Herzen verändern. Sie wird sichtbar in unserem Leben. Das schützt uns vor zwei Extremen: Gesetzlichkeit: Ich versuche, durch Leistung von Gott und anderen geliebt zu sein. Billige Gnade: Ich rede von Liebe zu Jesus, aber es verändert nichts.
Der andere Beistand (V. 16-17)
Indem Gott den Heiligen Geist sendet, stärkt er die Jünger. Er führt dessen Werk hier auf Erden weiter. Er bleibt bis in Ewigkeit bei den Menschen. Er tröstet, hilft und steht in Anfechtung, Verfolgung und Schwachheit bei. Außerdem weist er den Weg zur Wahrheit. Er zeigt auf, wo sich Lügen einschleichen und führt zur Umkehr, dass wir Menschen zurück zu Gott finden. Er lehrt und erinnert (V. 25f.). Er bleibt unsichtbar – ohne den Glauben nehmen Menschen ihn nicht wahr. Doch wer an Jesus glaubt, ist gewiss: der Heilige Geist lebt in mir und er bleibt in mir. Jesus verspricht hier eine dauerhafte innere Gegenwart des Heiligen Geistes (was die Jünger später an Pfingsten dann erleben).
Keine Waisen, sondern lebendige Gemeinschaft (V. 18-21)
Jesus greift die Sorgen und Ängste der Jünger auf. Wie soll es weitergehen, wenn Jesus weg ist? Jesus hat den Abschied im Blick: Er tröstet sie und lässt sie nicht allein zurück. Sie werden erfahren, dass Jesus durch die Auferstehung den Tod besiegt hat und ihnen als Auferstandener begegnet. Unsere eigene Auferstehung und unser ewiges Leben hängen an seiner Auferstehung (vgl. 1Kor 15).
An Pfingsten erleben die Jünger, wie Gott sich ihnen in seiner Fülle als Vater, Sohn und Heiliger Geist zeigt und ihnen ganz nahe kommt. Der Vater zeigt sich im Sohn – Jesus Christus. In ihm bekommt er eine Gestalt in Raum und Zeit, wird nahbar und sichtbar. Er offenbart sein Herz, indem er seinen Sohn in diese Welt sendet und am Kreuz für die Sünden der Menschen sterben lässt. Wenn Christus in uns lebt, werden wir von innen heraus erneuert. Derselbe Gott sendet auch den Heiligen Geist, der uns Christen in unserer Identität als Gottes Kinder stärken soll. Er wohnt in uns und vertieft unser Vertrauen in den einen Gott.
Offenbarung für die Liebenden, nicht für die Welt (V. 22-24)
Judas erwartet einen sichtbaren Messias, der sich der ganzen Welt zeigt. Er hofft, dass nun endlich die ganze Welt sieht, wer Jesus wirklich ist und es dadurch zu großen Veränderungen im Land kommt. Doch Jesus ist Teil eines anderen Reiches. Er offenbart sich nicht in aller Macht in dieser Welt – sondern nur seinen Jüngern und das auf eine innere, geistliche Weise.
Gott nimmt Wohnung in uns. Er zieht in unsere innere Wohngemeinschaft ein (V. 23). Gerade dann, wenn ein Mensch Jesus liebt und sein Wort ernst nimmt. Zugleich mahnt Jesus seine Jünger, indem er ihnen deutlich macht, dass wer ihn ablehnt auch den Vater ablehnt. Jesus ist von seinem Vater im Himmel nicht zu trennen. Er ist in seinem Auftrag unterwegs und ist ihm gleich. Nur wer Jesus kennt, kennt somit auch den Vater. Nur wer Jesu Worten folgt, tut den Willen des Vaters.
Praxishilfen
Anregungen zur Gestaltung eines Bibelgesprächs:
Stellen wir uns folgende Situation vor: Am Bahnhof verabschieden sich zwei langjährige Freunde. Was würden sie einander sagen? Der Meister entlässt seinen Lehrling nach 3 Jahren Ausbildung. Was würde er ihm für seinen weiteren Weg mitgeben?
Fragen zum Gespräch:
• Wer hat mich im Glauben gelehrt?
• Wodurch habe ich das Wirken des Heiligen Geistes in meinem Leben erfahren?
• Wo fällt es mir schwer, die Liebe Jesu konkret zu leben?
Lieder: GL 140, FJ6 184 Heiliger Geist
