08/2026-09/2026

Gottes Auftrag zum Wiederaufbau des Tempels

Esra 1,1-11

Texterklärung

Esra 1 beschreibt den Beginn der Rückkehr aus dem 70-jährigen babylonischen Exil. König Kyrus eroberte 539 v.Chr. das babylonische Reich. Er erließ einen Erlass, der den Juden die Rückkehr nach Jerusalem erlaubte und ordnete den Wiederaufbau des Tempels an. Eine erste Gruppe (Esr 2) machte sich unter Scheschbazzar (Serubbabel, V. 11) auf den Weg. Für den Wiederaufbau wurden den Israeliten nötige Mittel mitgegeben und sie erhielten die geraubten Tempelgeräte zurück.

Der Erlass zum Wiederaufbau des Tempels

Gott hatte durch Jeremia angekündigt (Jer 25,11; 29,10), dass die babylonische Gefangenschaft eine begrenzte Zeit dauern würde. Nun gebraucht er ausgerechnet den heidnischen persischen König Kyrus als Hirten und Gesalbten (Jes 44,28; Jes 45,1), um sein Volk nach Jerusalem zurückzubringen und den damals von Nebukadnezar verbrannte Tempel (2Chr 36,19) wiederaufzubauen. Kyrus verfolgte eine tolerantere Politik und erlaubte z. B. Gefangenen die Rückkehr in ihre Heimat. Sein Edikt gilt als erstes Menschenrechtsdokument und ist heute im British Museum zu besichtigen (Kyros-Zylinder).

Wie tröstlich zu wissen, dass Gott treu bleibt. Er steht zu seinem Wort und erfüllt seine Verheißungen zur rechten Zeit. Selbst durch schwierige Zeiten hindurch hält er die Geschichte seines Volkes in seiner Hand und führt sie nach seinem Plan. Das schenkt Hoffnung, denn derselbe Gott begleitet uns auch mit seiner Treue und Gnade. Der erste Schritt zur Rückkehr und Wiederaufbau des Tempels, ging klar von Gott aus (V. 2), doch gehen musste das Volk selbst. Das gilt auch uns, Gott hält seine Zusagen, aber Vertrauen und Gehorsam bleiben unsere Antwort. Dietrich Bonhoeffer schrieb aus dem Gefängnis: „Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen.“

Der Entschluss zum Wiederaufbau des Tempels

Nicht alle Israeliten waren bei der ersten Rückführung dabei, viele blieben im Exil. Sie hatten sich eingerichtet, Häuser gebaut und Familien gegründet. Später gab es noch zwei weitere Rückkehrgruppen, unter anderem mit Esra (Esr 7) und Nehemia. Wenige kannten wohl Jerusalem und den Tempel noch aus eigener Erfahrung. Gott rief durch König Kyrus (Esr 1,3) sein Volk zurück an den Ort seiner Verheißung, dorthin wo er sie haben wollte. „Wer irgend unter euch aus seinem Volk ist … der ziehe hinauf nach Jerusalem“ (V. 3). In Vers 1 heißt es, Gott erweckte den „Geist“ von Kyrus und vieler Israeliten wie z. B. Verantwortliche aus dem Stamm Juda und Benjamin (V. 5).

„Geist“ steht hier für die innere Haltung, den Antrieb, die Entschlossenheit und die Bereitschaft einesMenschen, den Willen Gottes zu tun. Gott wirkt im Herzen von Menschen. Und Gott sei Dank nicht nur in den Herzen der Frommen, sondern wenn nötig, lenkt er auch weltliche Machthaber. Bleiben auch wir offen dafür, dass der Heilige Geist unser Herz immer wieder neu erweckt, z. B. durch innere Impulse beim Lesen und Hören auf Gottes Wort. Vielleicht möchte er uns dabei aus Bequemlichkeit oder Gleichgültigkeit herausführen, hin zu neuem Vertrauen auf ihn und zu einem gehorsamen Leben mit ihm.

Der Wiederaufbau zur Ehre Gottes

Der Tempel in Jerusalem, das Haus Gottes, war der zentrale Ort seiner Gegenwart. Dort wurde gebetet, geopfert und Gemeinschaft miteinander gelebt. Dieser besondere Ort der Begegnung mit Gott sollte wieder neu hergestellt werden. Der Wiederaufbau war ein Signal der Größe und Treue Gottes für alle Völker. Selbst die Herausgabe der gestohlenen und dadurch entehrten Tempelgeräte machte deutlich, dass Gott über allen heidnischen Göttern und Mächten herrscht. Die von Nebukadnezar (Dan 1,2; 5,2) gestohlenen Geräte galten damals als Beute für ihre babylonischen Götter, deshalb brachte man sie in den Götzentempel.

Gott baut auch heute noch. Jesus sagt in Matthäus 18,20, dass er mitten unter denen ist, die sich in seinem Namen versammeln. So baut unser Herr seine Gemeinde, und wir sind als Teil davon berufen, daran mitzuarbeiten. Geht es dabei nicht auch um Gottes Ehre? Gemeinsam Glauben leben, einander dienen und Liebe weitergeben, spiegelt etwas von Gottes Wesen wider in unserer Umgebung.

Fragen 

  • Was ermutigt mich grundsätzlich in diesem Bibeltext?
  • Wo spüren wir vielleicht, dass Gott uns auch heute neu „erwecken“ möchte? Und wenn ja, woraus und wozu?
  • Woran erkennt unsere Umgebung, dass Gott mitten in unserer Gemeinde/Gemeinschaft lebt und wirkt?
  • König Kyrus gab die Mittel zum Tempelaufbau. Vertraue ich (noch) darauf, dass Gott auch mich/uns ausrüstet mit dem was nötig ist?

Lieder: GL 150, FJ1 206 Gott baut sein Haus

Beitrag teilen: