Aufbrüche faszinieren mich. Vielleicht, weil ich sie kenne. In unserer Gemeinschaft in Dornstetten habe ich erlebt, wie Neues entsteht: Ideen bekommen Raum, Menschen bringen sich ein, etwas kommt in Bewegung. Aufbrüche sind für mich keine Programme und keine Strategien. Man kann sie nicht herbeiführen. Sie entstehen. Oft leise, manchmal überraschend. Und immer bleiben sie Geschenk.
Ich erlebe gerade zwei unterschiedliche Bewegungen. Auf der einen Seite steht ein spürbarer, sichtbarer Aufbruch bei den Apis Dornstetten. Auf der anderen Seite gibt es eine Vision, die mir sehr am Herzen liegt – meine Arbeit als Tonschaffender –, bei der sich bisher kein Aufbruch einstellen will. Beides gehört gerade zu meinem Alltag.
In Dornstetten dürfen wir geistliche Aufbrüche erleben. Wir nehmen staunend wahr, wie Gott sein Reich mitten unter uns baut. Lange war unsere Gemeinschaft fest geprägt, irgendwann wurde sichtbar, dass wenig junge Menschen nachkamen. Mutige Entscheidungen stellten früh die Weichen neu. Man wollte offener werden, Familien erreichen, Nähe schaffen.
Als vor 5 Jahren das Hoffnungsland dazukam, gewann dieser Prozess deutlich an Dynamik. Angebote für Familien, Kinder entstanden, vor allem aber eine neue Haltung: näher an den Menschen, ehrlicher, missionarischer. Und wir als Apis wurden selbst beschenkt – durch viele Beziehungen und neue Perspektiven.
Ganz anders erlebe ich mein Tonstudio. Musik begleitet mich mein ganzes Leben. Jetzt, mit beruflicher Sicherheit und fast erwachsenen Kindern, scheint eigentlich Raum für diesen Lebenstraum da zu sein. Doch die Aufträge bleiben überschaubar, Erwartungen erfüllen sich nicht. Der nüchterne Rat des Steuerberaters, das Ganze als Liebhaberei zu führen, trifft – und erdet.
Aber ich merke: Gerade dieses „Doppelspiel“ schärft meinen Blick. Es erinnert mich daran, dass nicht meine Wünsche Gottes Wege lenken, sondern dass Gottes Wege meinem Leben Richtung geben. Diese Erkenntnis ist manchmal schmerzhaft, aber sie trägt eine tiefe Freiheit in sich. Ich darf dankbar annehmen, was Gott wachsen lässt – und vertrauen, dass auch das scheinbare Stillstehen Teil seiner guten Geschichte mit mir ist. Gottes Wege sind weiter, klüger als meine eigenen. Darauf kann ich bauen – mit Zuversicht für das, was noch kommt.
