06/2026-07/2026

Geliebt – unter allen Umständen

Römer 8,18-39

Texterklärung

Römer 8,18–39 beschreibt die Hoffnung der Glaubenden angesichts von Leid und Bedrängnis. Paulus stellt das gegenwärtige Leiden der kommenden Herrlichkeit gegenüber (V. 18). Die ganze Schöpfung sehnt sich nach Erlösung (V. 19–22). Der Geist tritt für uns ein, wenn wir nicht beten können mit unaussprechlichem Seufzen (V. 26). Leitvers ist V. 28: Gott wirkt in allem zum Guten für die, die ihn lieben. Der Abschnitt gipfelt in der Gewissheit: Nichts kann uns von der Liebe Gottes in Christus trennen (V. 39).

Hoffnung, die weiterreicht

Paulus schreibt diesen Abschnitt in einem realistischen Ton: Christlicher Glaube bedeutet nicht, dass Leid verschwindet. Im Gegenteil, die Gemeinde in Rom lebte in einer Zeit politischer Unsicherheit und wachsender Spannungen für Christen. Darum beginnt Paulus mit einer ehrlichen Feststellung: Das gegenwärtige Leiden gehört zur Erfahrung des Glaubens. Doch er setzt ihm eine Perspektive entgegen: die kommende Herrlichkeit Gottes. Diese Perspektive verändert den Blick auf die Gegenwart. Paulus vergleicht das Leiden nicht mit der zukünftigen Herrlichkeit, um es zu verharmlosen, sondern um Hoffnung zu eröffnen. Gottes Zukunft ist größer als das, was wir heute erleben. Leid hat nicht das letzte Wort.

Besonders eindrücklich ist das Bild der „seufzenden Schöpfung“ (V. 22). Die ganze Welt steht in einer Spannung zwischen dem, was ist, und dem, was Gott verheißen hat. Dieses Bild wirkt heute besonders aktuell. Klimakrise, Kriege und soziale Ungerechtigkeit zeigen, wie sehr die Schöpfung unter den Folgen menschlicher Schuld leidet. Paulus beschreibt damit eine Realität, die auch unsere Zeit prägt. Doch Paulus bleibt nicht bei der Diagnose stehen. Er spricht von Hoffnung. Hoffnung ist für ihn kein optimistisches Gefühl, sondern eine Haltung des Vertrauens. Christen leben aus einer Hoffnung, die noch nicht sichtbar ist (V. 24–25). Gerade weil sie unsichtbar ist, braucht sie Geduld und Vertrauen.

Nie allein

In diese Spannung hinein stellt Paulus eine weitere tröstliche Aussage: Der Heilige Geist hilft unserer Schwachheit (V. 26). Es gibt Zeiten, in denen Menschen keine Worte mehr für ihre Gebete finden – Zeiten von Trauer, Angst oder Überforderung. Paulus sagt: Selbst dann sind wir nicht allein. Der Geist Gottes tritt für uns ein, auch dort, wo uns Worte fehlen. Ein weiterer zentraler Vers ist Römer 8,28. Er wird oft zitiert, manchmal auch missverstanden. Paulus sagt nicht, dass alles gut ist, was geschieht. Vielmehr bekennt er: Gott kann selbst aus schwierigen und schmerzhaften Situationen Gutes entstehen lassen. Gottes Handeln übersteigt das, was wir verstehen können.

Der Höhepunkt des Abschnitts findet sich am Ende. Paulus stellt eine Reihe von Fragen: „Wer will uns scheiden von der Liebe Christi?“ (V. 35). Dann nennt er alles, was Menschen Angst machen kann: Bedrängnis, Angst, Verfolgung, Hunger, Gefahr oder Tod. Die Antwort lautet: Nichts kann uns trennen von der Liebe Gottes in Christus Jesus (V. 39). Eine Familie in meinem Bekanntenkreis hat diese Verse als Poster an die Badezimmertür geklebt. Sie sind Christen, die jahrelang gehofft und gebetet haben und trotzdem auf tragische Weise einen ihrer Söhne verloren haben. Sie haben erlebt, dass über alles Verstehen und auch Nichtverstehen hinaus, Jesus trägt.

Geliebt

Nichts kann uns aus Gottes Hand reißen, weder Tod noch Leben. Damit fasst Paulus die zentrale Botschaft des Evangeliums zusammen: Die Beziehung zu Gott ist nicht abhängig von unserer Stärke, unserer Frömmigkeit oder unserem Erfolg. Sie gründet allein in Gottes Liebe. Für das Leben heute bedeutet das: Christen dürfen realistisch über Leid sprechen und gleichzeitig hoffnungsvoll leben. Der Glaube verspricht kein problemfreies Leben, aber er gibt eine tragende Gewissheit: Gottes Liebe bleibt.

Diese Gewissheit verändert auch den Umgang mit Krisen. Wer weiß, dass Gottes Liebe stärker ist als jede Macht, kann mutiger leben, geduldiger hoffen und solidarischer handeln. Hoffnung wird so zu einer Kraft, die den Blick über die Gegenwart hinaus öffnet. Römer 8,18–39 lädt deshalb dazu ein, das eigene Leben im Licht dieser Hoffnung zu sehen. Leiden, Zweifel und Fragen gehören zum Glaubensweg, doch sie bestimmen nicht sein Ziel. Am Ende steht Gottes Liebe, die alles umfasst.

Praxisideen:

Einstieg: Ein Seil oder Band in die Mitte legen und fragen: Was gibt Menschen Halt in schwierigen Zeiten?

  • Fragen zum Gespräch:
  • Welche Bilder aus dem Text sprechen mich besonders an (z. B. seufzende Schöpfung, Gottes Liebe)?
  • Wo erlebe ich heute „Sehnsucht nach Erlösung“ in unserer Welt?
  • Wie kann die Zusage aus V. 28 im Alltag Hoffnung geben?
  • Was bedeutet für mich persönlich: Nichts kann uns von Gottes Liebe trennen?

Lieder: GL 469, FJ6 61 Jesus meine Hoffnung lebt

Beitrag teilen: