06/2026-07/2026

Gott will alle

Römer 9,30-10,21

Texterklärung

Die Verse in diesem Abschnitt des Römerbriefes beschreiben ein „altes“ Thema: Wie werden wir gerecht vor Gott? Wie können wir vor Gott bestehen?

Das Wort Gerechtigkeit kommt 300 Mal in der Bibel vor; ganz oft davon in diesen Versen. Es geht um den entscheidenden Unterschied: Gerechtigkeit als Geschenk und nicht als Leistung erkennen. Christus ist das Ende des Gesetzes, die Erfüllung – und nur diese geschenkte Gerechtigkeit ist enzscheidend für unsere Rettung.

Was gilt: Glaube oder Werke?

Es entstand die Diskussion, was wirklich vor Gott zählt. Paulus macht hier eine Gegenüberstellung der Gerechtigkeit aus dem Glauben und der Gerechtigkeit aus den Werken. Im Alten Testament gilt ja die Tora: Lehre, Leistung und Gesetz – und der Mensch soll mit seinen Werken, d. h. mit seinen eigenen Möglichkeiten diese Regeln einhalten. Das ist aber durch unsere Schwächen und Sünden kaum zu erfüllen. Es wurden damals auch Bestimmungen aufgestellt, die Menschen nicht mehr tragen konnten. Als Gegenüber gilt für Paulus das Heil allein durch Christus und allein durch den Glauben.

Wie sieht das in unserem Alltag aus? Wer zählt als „echter“ Christ? Du musst bestimmte Gebetsformen einhalten, deine äußere Erscheinung und dein Verhalten sollte unserer Kultur angepasst sein …. – wenn du in das Bild unserer Gemeinde und Gemeinschaft passt, dann bist du ok.

Gilt für Menschen, die so ganz anders leben und ticken auch der Anspruch: „Allein aus Gnade – allein aus Glauben?“ – oder müssen sie auch bestimmte Regeln einhalten? Wir dürfen von Jesus reden und berichten, dass die Gnade und der Glaube ein Geschenk sind.

Mund und Herz gehören zusammen

Im Alten Testament steht das Herz für den Verstand und der Mund für das Bekenntnis. In unserem Leben soll es eine Übereinstimmung von innen und außen geben, von Reden und Handeln. Wenn ich an meine Arbeit im Rotlichtviertel denke, dann merke ich, wie wichtig das bei jeder Begegnung mit den Menschen ist. Wenn ich mit Menschen Beziehung leben will, dann soll durch alles, was ich sage und vorlebe, Jesus durchscheinen.

Der Satz: „Ich habe deine Worte nicht verstanden, denn dein Leben hat lauter gesprochen!“ bekommt für mich immer mehr Bedeutung. Wir dürfen fröhlich von Jesus reden, vor allem mit unserem Lebenswandel und weniger durch Worte.

Gott will alle … aber nicht alle wollen Gott!

Nachdem nicht vom ganzen Volk Israel der Tod und die Auferstehung Jesu in Anspruch genommen wurde, macht Paulus deutlich, dass es auch für die Heiden, d. h. für alle Völker und Nationen gilt. Gott ist der Herr über alle und ein Retter für alle. Und dabei handelt Gott auch für uns manchmal sehr überraschend. Manchmal zeigt er sich Menschen, die gar nicht aktiv nach ihm gesucht haben – durch Literatur, Begegnung mit Christen, soziale Medien u. v. m. Aber es gibt auch Menschen, die immer Berührung mit Gottes Wort hatten, z. B. in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen sind – und trotzdem die ausgestreckte Hand Jesu ausschlagen. Eines bleibt aber: Gott will alle! „Denn er will, dass alle Menschen gerettet werden und seine Wahrheit erkennen.“ (1Tim 2,4). – Und dazu gehören auch die Menschen in meiner Nachbarschaft, die so ganz andere Lebensweisen haben als ich: Drogensüchtige, Zuhälter, Freier, Arme, Reiche, Nörgler, Besserwisser … Wir dürfen von Jesus reden und es ausrufen: Gott will alle.

Das Evangelium muss gepredigt und gehört werden

Dass wir Gott als unseren Retter erkennen und das Geschenk der Gnade annehmen, ist kein Selbstläufer, keine Privatangelegenheit. Damit die Menschen den Ruf Gottes hören und dem auch folgen können, muss die frohe Botschaft auch verkündet werden. Wir sind dankbar, dass wir in unserem Land noch frei Gottesdienst feiern dürfen und jeden Sonntag aus der Bibel Gottes Wort vorgelesen wird. Es bleibt Gottes Mission, aber wir dürfen und sollen sein Werkzeug sein. Weil Gott sich nach den Menschen sehnt, setzt es Boten ein. Wir dürfen von Jesus reden, dass er jeden einzelnen Menschen liebt und auf jede Person mit offenen Armen wartet.

Praxisideen:

  • Gemeinsam überlegen, was ich mit dem Wort „Gesetz“ verbinde.
  • Das Gesetz nach dem Alten Testament ist nicht bedeutungslos, aber erfüllt durch Jesus Christus. Welche Auswirkung hat das in meinem Leben?
  • Sind unausgesprochene Regeln in unserer Gemeinde ein möglicher Grund, warum sich Neue oft so schwer bei uns tun?
  • Fällt es mir auf, dass meine Worte/Gedanken nicht mit meinem Leben übereinstimmen? Wie können wir uns da gegenseitig helfen?

Lieder: GL 176, FJ2 115 Dein Wort ist ein Licht

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