Römer 8,1-17
Texterklärung
Der Text beginnt mit einem Paukenschlag: Es gibt keine Verurteilung (vgl. Röm 5,16 sowie 5,18), d.h. keine Todesstrafe, die durch die Sünde jedem Menschen droht(e) für die, die in Christus sind! Paulus zieht einen Schlussstrich unter das, was er in vielen Versen davor beschrieben hat: Alle Nachkommen Adams und Evas, alle Menschen sind Sünder. Alle müssten aufgrund der Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes sterben. Aber weil der neue Adam Jesus, der Sündlose, für die Menschen gestorben ist, gibt es Hoffnung. Jesus schenkt jedem, der es will, seine Gerechtigkeit. Er rechtfertigt ihn. Daher: Jede/jeder, die oder der in Christus ist, trifft die Todesstrafe nicht! Das Gesetz der Sünde und des Todes wurde von Jesus nicht aufgelöst, sondern vollkommen erfüllt (Mt 5,17). Das Gesetz des Geistes erfüllt die Totengebeine und bringt Leben: So spricht Gott der Herr zu diesen Gebeinen: „Siehe, ich will Odem in euch bringen, dass ihr wieder lebendig werdet“ (Hes 37,5f.).
Verändertes Leben
Der Heilige Geist wirkt die Veränderung. Jesus ist am Kreuz gestorben und wurde (nach jüdischer Zählung) drei Tage später wieder auferweckt. Er hat seinen Schülern den Tröster versprochen, den Heiligen Geist, der sie erfüllen wird (Joh 14,16). An Pfingsten kam der Heilige Geist auf sie, das Gesetz des Geistes durchbrach die Trauer von Petrus und allen anderen Jüngern. Aus Angst wurde vollmächtige, lebendige Verkündigung der Heilstaten Gottes durch Jesus und den Vater im Himmel. Sie wurden „Getriebene“ durch den Geist Gottes. Sie erkannten: Wir sind Kinder Gottes (Röm 8,14). Und als Kinder auch Erben des Lebens in Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist und Christus. Dieses Leben beginnt, wenn ein Mensch durch den Heiligen Geist erfüllt wird. Christus in Dir, schreibt Major W.I. Thomas in seinem gleichnamigen Buch, ist die Dynamik in einem christlichen Leben. Es heißt nicht: eines Tages im Himmel, sondern Christus hier und jetzt!
Der Geist Gottes schenkt mir meine Identität. Ganz egal wie alt ich bin. Ich bin ein Kind Gottes. Das ist meine Identität. Leider gibt es auch eine andere Stimme in uns, die genau an dem Punkt ansetzt und sagt: Das bist du doch gar nicht! Wer bist du denn schon? Diese Stimme ist dieselbe, die schon zu Eva gesprochen hat, der Teufel. Er ist der Vater der Lüge und sagt: Müsste dein Leben nicht ganz anders aussehen und verlaufen, wenn das stimmt, dass du ein Kind Gottes bist? Müsstest du dann nicht ohne Sünde sein, müsstest du dann nicht immer gesund und erfolgreich sein? Wie kann es sein, dass Gott dir das Liebste nimmt, was du in dieser Welt hast oder dir es nicht mal geschenkt hat?
Eine neue Haltung
Paulus und viele andere nach ihm wurden diese Frage gestellt. Es ist der „Geist der Furcht“ oder der Bedrängnis (Joh 16,33). Dieser Geist kommt nicht von Gott. Gottes Geist ist vielmehr der Geist der Kraft (in der Kraftlosigkeit), der Liebe (in der eisigen Lieblosigkeit) und der Besonnenheit (im Nicht-mehr-weiter-wissen und der Wut). Der Geist Gottes schenkt Friede über Lebensführungen.
Durch den Tod Jesu am Kreuz und seine Auferstehung bekommen wir eine ganz andere Sicht auf unser Leben und unser Verhältnis zu Gott. Unsere Unzulänglichkeit wird uns immer bewusster. Immer stärker wird der Wunsch, sich durch den Heiligen Geist alles schenken zu lassen. Da ist zum einen das, was Paulus „die Gerechtigkeit“ nennt. Er kannte diesen Begriff sehr gut aus seinem Studium bei Gamaliel. Gott ist Gerechtigkeit und er hat dem Volk Israel sein Wort, die Thora, gegeben. 5 Bücher voller Worte der Gerechtigkeit. Wer diese Worte, diese Weisung hält, der ist gerecht. In der Begegnung mit Jesus merkte er: Ich kann es nicht. Ich schaffe es nicht. Obwohl ich es ganz stark gewollt habe, bin ich an Gott völlig vorbeigelaufen. Ja, er war einverstanden mit dem Tod des Jesusnachfolgers Stefanus (Apg 8,1). In der Begegnung mit Jesus (Apg 9 usw.) sieht er seine Sünde. Jesus beschenkt ihn mit seiner Gerechtigkeit und er kann in Gott seinen Abba (Papa) erkennen und gewinnen. Jesus hat es seinen Schüler auch so erklärt (Bergpredigt/Vaterunser).
Praxisideen:
- Müsste mein Leben nicht ganz anders aussehen und verlaufen, wenn das stimmt, dass ich ein Kind Gottes bist? Müsste ich dann nicht ohne Sünde, immer gesund und erfolgreich sein?
- Welches Bild habe ich von Gott? Wir sammeln die verschiedenen Bilder (Tröstende/Stillende Mutter – Jes 66,10f. | Vater – Mt 6,9 Vaterunser und an unserer Stelle; Jahwe-jireh (der sorgt), Jahwe-raah (der liebevolle Hirte, Jahwe-shalom, mein Friede, Jahwe-nissider, der mich schützt; Jesus; Heiliger Geist.
Lieder: GL 140, FJ Best of 6 Komm erfülle mich
