06/2026-07/2026

Jesus in allen Facetten des Lebens wirken lassen!

Römer 12,9-21

Texterklärung

Einfach, kurz und zugespitzt formuliert Paulus, wie das Evangelium sich im Leben der Christen entfalten soll. Die Anweisungen kann jeder begreifen. Es geht Paulus um nichts weniger als das der „Christus in euch“ im Leben und Verhalten (Ethik) seiner Leute sichtbar wird. Sein Licht soll sich in seiner ganzen Schönheit entfalten und die Dunkelheit vertreiben. Römer 12,9-21 ist auf den ersten Blick ein Abschnitt mit losen aneinandergereihten Ermahnungen, aber bei genauerem Hinsehen sticht der kunstvolle Aufbau des Abschnitts ins Auge und das Wesen christlichen Lebens wird sichtbar.

Ohne die Liebe ist alles nichts (V. 9-16)

Römer 12,9 beginnt mit einer Aussage über das Wesen der Liebe. Hier wie in Römer 5,5b verwendet Paulus das griechische Wort „Agape“. Es geht um die Liebe Gottes, die durch den Heiligen Geist in das Herz eines Christen ausgegossen ist. Eine heilige Liebe, die ihren Ursprung nicht im Menschen hat, sondern in Gott selbst. Diese Liebe ist „echt“, „ungeheuchelt“ und „rein“. So wie wir diese Liebe empfangen haben, sollen wir sie weitergeben. Dadurch entsteht christliche Gemeinschaft (vgl. Joh 13,35). Das Liebesgebot Jesu ist der rote Faden, der alle christliche Ethik durchzieht. Wo die Liebe sich entfaltet, ist kein Platz für das Böse. Deswegen kann Paulus die Christen wiederholt ermahnen: „Hasst das Böse, hängt dem Guten an.“ (V. 9; vgl. auch V. 17 und 21).  

„Das Gute“ (Agathos) wird in den Beziehungen zwischen Christen sichtbar: Im gelebten Miteinander, in Achtung und Respekt, in Bereitschaft zum Dienen (V. 10-11), im Teilen von Freude und Leid, im gemeinsamen Gebet, im Anteilnehmen in konkreten Notsituationen, den anderen willkommen heißen und sein Leben, sein Haus/seine Wohnung, seinen Kühlschrank für seine Nächsten zu öffnen (V. 12-13). 

Aber damit noch nicht genug! „Das Gute“ entfaltet seine stärkste Kraft in der Feindesliebe: Die Kraft des Segens zeigt sich gerade in Verfolgungssituationen (vgl. V. 14). In dieser Freiheit des Segens befähigt Jesus seine Leute, dass sie sich in jeder Situation emotional ganz hineingeben können. Mit den Fröhlichen zu lachen und mit den Weinenden zu weinen, ist Ausdruck gelebter Liebe (V. 15).

Das Ziel der Liebe Gottes ist es, dass Jesusleute miteinander lernen von Herzen in das Gebet einzustimmen: „Dein Wille geschehe“. Dieses Gebet eint, schützt davor, sich selbst absolut zu setzen, zu hoch von sich zu denken und lenkt unseren Blick zu Gottes unbegrenzten und meinen begrenzten Möglichkeiten (V. 16).

Ohne Jesus wird es nichts (V. 17-20)

Wenn das Böse (kakos) nur so einfach aus unserem Herzen und unserem Leben im Miteinander verschwinden würde, könnte Paulus mit Vers 16 enden. Er setzt aber noch einmal tiefer an und wählt eine eindringlichere Tonart: Das Böse ist keine Option, die für einen Christen in Frage kommt, sondern Jesus richtet unseren Sinn stracks auf das Gute, auf den Frieden und auf das Vertrauen in Gottes Gerechtigkeit. Der Christ braucht sich nicht selbst zu verteidigen, sich nicht selbst zu rächen, sondern kann ruhen im Wissen um Gottes Gegenwart, seine Allmacht und dass Gott für Gerechtigkeit sorgen wird – zu seiner Zeit! Bis dahin dürfen wir „feurige Kohlen“ auf die Häupter unserer Feinde sammeln (V. 20), um in ihnen ein Gewissensfeuer zu entfachen in der Hoffnung, dass Jesus ihnen begegnet und ihr Leben verändert. Nachfolge Jesu wird konkret, wenn wir lieben, wo man sich hasst, Frieden stiften, wo Unfrieden herrscht und unseren „Feinden“ (wer auch immer das sein mag) zu essen anbieten. Jesus hat diesen Weg gewählt – also folgen wir ihm!

Mit Jesus wirst du siegen, staunen, singen! (V. 21)

Jede Ethik ohne Jesus ist zum Scheitern verurteilt. Wir selbst sind in uns nicht in der Lage das Böse zu überwinden. Der Hirtenjunge David hatte gegen den Riesen Goliat nichts auszurichten – wenn er auf sich allein gestellt gewesen wäre. Er überwand den Riesen durch das tiefe Vertrauen auf Gottes Macht: „Ich aber komme mit der Hilfe des Herrn.“ (1Sam 17,45).

Das Gute wirkt der Heilige Geist in unserem Leben, er schenkt uns die Hilfe, den Trost, die Kraft, den Glauben und leitet uns, um im Kampf mit der Sünde und dem Bösen zu Überwindern zu werden (V. 21). Wir leben vom Sieg Jesu, wir staunen über sein Wirken in unserem Leben und beten ihn, den Auferstandenen Herrn, an.

Praxisideen:

  • Warum stellt Paulus „das Böse hassen“ und „haltet fest am Guten“ direkt nebeneinander?
  • Wann habe ich erlebt, dass jemand Böses mit Gutem überwunden hat?
  • Wie reagiere ich normalerweise, wenn mir jemand Unrecht tut?
  • Warum brauchen wir unbedingt Jesus, um das Böse zu überwinden und wo entdecken wir das Evangelium in Römer 12,9-21?

Lieder: GL 172, FJ5 168Wir sind eins

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