04/2026-05/2026

In der Gegenwart des erhöhten Christus

Matthäus 28,1-15

Texterklärung

Matthäus 28,16–20 bildet den Abschluss des Matthäusevangeliums. Der auferstandene Jesus begegnet seinen Jüngern auf einem Berg in Galiläa. Dort spricht er ihnen seine umfassende Vollmacht zu und beauftragt sie, alle Völker zu Jüngern zu machen. Zentrale Leitbegriffe sind „alle Macht“, „alle Völker“ und „alle Tage“. Mit Bezug auf Himmelfahrt sehen wir hier nicht zuallererst Abschied, sondern die Erhöhung Jesu und seine bleibende Gegenwart bei seinen Nachfolgern.

Wie im Himmel so auf Erden

Die Szene beginnt überraschend nüchtern: Die Jünger sehen Jesus, fallen nieder und beten ihn an. Doch einige zweifeln. Matthäus verschweigt diese Spannung nicht. Glaube und Unsicherheit stehen nebeneinander. Anbetung schließt Fragen nicht aus, und Zweifel bedeuten nicht das Ende des Glaubens. Gerade diese ehrliche Darstellung macht den Text lebensnah. Die Jünger stehen am Übergang: Der Auferstandene ist real gegenwärtig, und doch ist nichts mehr wie zuvor. Vertraute Sicherheiten brechen weg, neue Wege liegen vor ihnen.

Bemerkenswert ist, dass Jesus diese Ambivalenz nicht auflöst, bevor er handelt. Er fordert keine innere Klärung ein und wartet nicht, bis alle Zweifel verschwunden sind. Gerade in diesem Zustand spricht er ihnen seinen Auftrag zu. Der Missionsbefehl richtet sich nicht an perfekte Glaubenshelden, sondern an Menschen, die zwischen Vertrauen und Fragen stehen. Nachfolge beginnt nicht mit vollständiger Gewissheit, sondern mit dem Hören auf Jesu Wort und dem Mut, sich senden zu lassen.

Jesus tritt auf sie zu und sagt: „Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden.“ Diese Aussage ist grundlegend für das Verständnis von Himmelfahrt. Jesus zieht sich nicht aus der Welt zurück, sondern übernimmt Herrschaft. Seine Macht ist nicht fern oder abstrakt, sondern konkret und wirksam. Sie umfasst Himmel und Erde und verbindet das Sichtbare mit dem Unsichtbaren. Damit wird klar: Der Auftrag der Jünger ist kein waghalsiges Projekt, sondern steht unter einer umfassenden göttlichen Autorität. Sie gehen nicht aus eigener Überzeugung oder Stärke, sondern im Auftrag dessen, der über allem steht.

Auftrag erteilt

Der Auftrag selbst ist umfassend: „Geht hin und macht zu Jüngern alle Völker.“ Es geht nicht nur um die Weitergabe von Wissen oder um einzelne Bekehrungsmomente. Gemeint ist ein Weg der Nachfolge, der Menschen in eine tragfähige Beziehung zu Jesus führt. Taufen und Lehren gehören untrennbar zusammen. Der Glaube beginnt mit einem klaren Schritt, bleibt aber nicht stehen, sondern wächst, reift und wird im Alltag eingeübt. Christsein ist kein abgeschlossener Zustand, sondern ein lebenslanger Lernprozess, der Begleitung, Geduld und Verlässlichkeit braucht.

Bemerkenswert ist, wie Jesus diesen großen Auftrag rahmt. Er beginnt mit seiner Vollmacht und endet mit seiner Zusage: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.“ Himmelfahrt bedeutet also nicht Abwesenheit, sondern eine neue Form von Nähe. Jesus ist nicht mehr an einen Ort gebunden, sondern allen seinen Jüngern überall gegenwärtig. Seine Nähe ist nicht an Sichtbarkeit oder besondere Erfahrungen geknüpft, sondern an seine verlässliche Verheißung.

Eine neue Perspektive

Für Christen heute ist das eine entscheidende Perspektive. Der Auftrag Jesu kann überfordernd wirken: global, umfassend, anspruchsvoll. Er konfrontiert mit eigenen Grenzen und Unsicherheiten. Doch er steht unter der Zusage seiner Gegenwart. Christen handeln nicht allein, sondern im Vertrauen darauf, dass Christus selbst mitgeht. Wo Menschen von ihrem Glauben erzählen, wo sie andere begleiten, lehren und ermutigen, ist Christus selbst gegenwärtig und am Werk.

Himmelfahrt erinnert daran: Die Geschichte Jesu ist nicht abgeschlossen, sondern setzt sich fort – durch seine Gemeinde. Der erhöhte Christus bleibt der Handelnde. Die Jünger, damals wie heute, sind Teil seines Wirkens, nicht seine Ersatzlösung. Das schenkt Mut, Gelassenheit und Orientierung. Nicht wir tragen die Mission, sondern Christus trägt uns – heute und bis an das Ende der Welt.

Praxis

Einstiegsidee:
Ein Staffelstab oder eine Übergabe-Szene zeigen. Etwas wird weitergegeben: Verantwortung, Auftrag, Vertrauen. Wer trägt ihn heute?

Fragen zum Gespräch:

  1. Was löst der Missionsauftrag bei dir aus – Motivation oder Überforderung?
  2. Wo erlebst du Zweifel und Glauben gleichzeitig in deinem Leben?
  3. Was bedeutet es für dich, dass Jesus „alle Tage“ bei uns ist?
  4. Wie kann Nachfolge heute konkret gelebt und weitergegeben werden?

Lieder: GL 711, FJ6 163 Thronsaal

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