Römer 13,1-7
Texterklärung
Nach Römer 12,9-21 besteht die Liebe im Tun des Guten, das sich durch Böses nicht vom Guten abbringen lässt. Im Gegenteil: „Überwinde das Böse mit Gutem“ (12,21). Was aber bedeutet das im Blick auf eine Welt, in der Böses das Gute bedroht und bekämpft? Unser Text verortet genau darin die Aufgabe staatlicher Macht: Gott überlässt die Welt nicht sich selbst. Staatliche Macht hat er eingerichtet, um das Gute zu fördern und das Böse zu begrenzen, um das Leben und das Gute zu schützen – zur Not auch durch Gewalt.
Von Gott gegebene staatliche Ordnung
Wie sieht der Glaube staatliche Behörden? Paulus sagt: sie sind von Gott eingesetzt und daher entsprechend zu achten – insofern sie dem Guten dienen (V. 4). Damit macht Paulus auf eine Gemeinsamkeit zwischen staatlicher Gewalt und der von Christen geforderten Liebe in Römer 12,9ff. aufmerksam: nämlich entschieden für das Gute und für den Frieden einzutreten und dem Bösen den Boden zu entziehen. Deshalb soll und kann der Staat nicht abgelehnt oder verteufelt werden. Die dem Staat aufgegebene Rechtsprechung und das damit verbundene Strafrecht (V. 4) gibt dem Staat sogar einen gewissen Anteil an dem, was nach Römer 12,19 Christenmenschen nicht tun dürfen, sondern ganz Gottes Sache ist: Unrecht zu vergelten und zu strafen. Aber dennoch darf der Staat auf keinen Fall vergöttlicht werden. Denn staatliche Macht schafft kein Heil und keine vollkommen gerechte Welt. Das menschliche Miteinander jedoch braucht Strukturen und Ordnungen, auf die man sich verlassen kann. Ungeordnetes Chaos und fehlendes Recht liefert viele den Interessen überlegener und mächtiger Menschen wehrlos aus. Rechtssicherheit dagegen ist eine Wohltat. Diesen Segen gibt Gott auch durch heidnische Herrscher und in unterschiedlichen Herrschaftsformen. Paulus spricht sich nicht für eine bestimmte Regierungsform aus – auch wenn wir Gott von Herzen für unsere rechtstaatliche Demokratie dankbar sein können.
Für Recht und Frieden sorgen
Aufgabe und Funktion des Staates hat die Barmer Theologische Erklärung im Mai 1934 wegweisend auf den Punkt gebracht: „Die Schrift sagt uns, dass der Staat nach göttlicher Anordnung die Aufgabe hat in der noch nicht erlösten Welt, in der auch die Kirche steht, nach dem Maß menschlicher Einsicht und menschlichen Vermögens unter Androhung und Ausübung von Gewalt für Recht und Frieden zu sorgen. Die Kirche erkennt in Dank und Ehrfurcht gegen Gott die Wohltat dieser seiner Anordnung an. Sie erinnert an Gottes Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten. Sie vertraut und gehorcht der Kraft des Wortes, durch das Gott alle Dinge trägt“ (5. These).
Sich beteiligen und einbringen
Christen waren damals in Rom eine winzige Minderheit. Dementsprechend beinhaltete ihr Verhältnis zum Staat: ihn von Gott her als Dienerin zum Guten sehen, ihn respektieren und sich unterordnen, das Rechte tun und das Recht zu achten, Abgaben und Steuern zu zahlen. Wir befinden uns heute in einer Demokratie und können uns aktiv einbringen: bei Wahlen, in Parteien, bei der politischen Meinungsbildung, bei Demonstrationen, in unterschiedlichen Berufen, einige, die dazu befähigt und sich berufen wissen, auch bewusst als Politikerinnen und Politiker, bei zivilgesellschaftlichen Initiativen … Dabei fragen wir nicht nach dem, was uns der Staat bringt, sondern was wir positiv einbringen können. Wir beteiligen uns als Bürger am Streit um das Gute – mit unserer Vernunft und im Gewissen gebunden an Gerechtigkeit und Liebe. Als Kirche und vom Glauben her wissen wir nicht von vornherein oder gar besser als andere, was jetzt konkret das Gute ist. Zur Demokratie gehört das Ringen und der Streit um das, was für das Gemeinwohl gut ist – und deshalb auch Kompromissbereitschaft zu nur relativ guten Regelungen. Eine moralische Abwertung politischer Gegner verbietet sich, sie beschädigt ein gutes Miteinander.
Praxisideen:
- Wo sind wir ganz konkret dankbar für unsere Demokratie, für Parteien, Gesetze und Gerichte, für Bundeswehr und Polizei?
- Wo sehen wir Mängel und die Begrenzung aller Regelungen? Könnte es überhaupt Gesetze geben, die allen in allem gerecht werden könnten?
- Wie können wir konkret für diejenigen beten, die vor Ort, im Kreis und Land wie im Bund unsere Gesellschaft verantwortlich gestalten? Was bedeutet die uns aufgetragene Fürbitte nach 1. Timotheus 2,1f.?
- Miteinander danken wir und üben Fürbitte für unsere Demokratie und diejenigen, die auf unterschiedlichen Ebenen Verantwortung tragen.
Lieder: GL 603, FJ5 122 Ich sage ja zu dir
