02/2026-03/2026

Alltagsheldin

Sie würde sich selbst wohl niemals so bezeichnen und ist seltsam berührt, wenn es andere tun. Gerade deshalb ist sie für mich ein echtes Vorbild: Vreni Theobald. Gemeinsam mit ihrem Mann Dieter war sie in verschiedener Hinsicht Pionierin: In der Arbeit mit Kindern, als gemeinsame Leitung des Sunnebad, ein Haus der Stille in der Schweiz, und in der Ehe- und Beratungsarbeit. Sie waren in jeder Hinsicht ein gutes Team! Der Wunsch nach eigenen Kindern hat sich nicht erfüllt, dass mussten sie schmerzlich verarbeiten. Vreni ist vielleicht gerade deshalb zu einer geistlichen Begleiterin und Mentorin für viele geworden.

Und heute? Irgendwie scheint sie wieder „eine Pionierin“ zu sein – zumindest für alle, die mit ihnen unterwegs sind. Eine „Alters-Pionierin“! Seit vielen Jahren begleitet Vreni ihren Mann in seiner fortschreitenden Demenz, managt den Alltag, läuft mit ihrem bewegungshungrigen Mann jeden Tag viele Kilometer und regelt alles, was anfällt. Aber – und darin ist sie für mich wiederum ein Vorbild –, sie bewahrt eine Würde für sie beide. Immer wieder kommen Menschen zu Besuch. Sie leben zwar in einer eigenen Wohnung und doch in einer lebendigen Hausgemeinschaft, wo man einander hilft. Ihr Lebensmotto buchstabiert sie tagtäglich, auch wenn es herausfordernder wird: „Es ist, wie es ist – und es wird, was ich daraus mache!“ Etwa zwei- bis dreimal pro Jahr schreibt Vreni ihrem Freundeskreis und erzählt, wie es ihnen so geht. Das Schwierige wird nicht verschwiegen. Trotzdem klingt immer eine Grundzuversicht durch diese ehrlichen Zeilen, die mich regelmäßig sehr berühren. Nein, niemand wählt sich eine Demenz und wünscht sie sich schon gar nicht. Aber dass es eine „Trotzdem – Zuversicht“ gibt, das lerne ich durch ihr Beispiel.

Vreni schreibt dazu einmal: „Die Liebe bleibt. Für mich ist das der entscheidende Faktor. Man erlebt mit einem an Demenz erkrankten Partner viele Krisensituationen, läuft Grenzen entlang von Überforderung, macht sich Sorgen um die Zukunft, schämt sich über schwieriges Verhalten, weint, weil man nicht mehr weiterweiß. Aber in allem bleibt die Liebe: Du bist mir von Gott anvertraut, und ich stehe zu dir. Und ich sorge auch für mich. Es ist keine fromme Schlussphrase, wenn ich meinen inneren Halt mit Liedworten beschreibe und wir uns diesen Mut immer wieder zusingen: ‚Sing bet und geh auf Gottes Wegen, verricht‘ das deine nur getreu. Und trau des Himmels reichem Segen so wird er bei dir werden neu. Denn welcher seine Zuversicht, auf Gott setzt, den verlässt er nicht‘.“

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