06/2026-07/2026

Ich bin gewiss

Glaubensgewiss – getragen von Gottes Zusage

Paulus kann es aus tiefster Überzeugung bekennen: Ich bin gewiss!
„Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“ (Römer 8,38-39)

Wünschst du dir das auch – solche Gewissheit? Heilsgewissheit: Die innere Überzeugung, gerettet zu sein. Zu wissen: Ich gehöre zu Jesus. Meine Sünde ist vergeben. Mein Leben ist in Gottes Hand und ich werde die Ewigkeit bei ihm verbringen. Kennst du auch die nagenden Fragen: Reicht mein Glaube aus? Bin ich gut genug? Werde ich auch in Zukunft am Glauben festhalten? Und hält Gott, was er verspricht?

Keine Nebenfrage: Warum Heilsgewissheit den Glauben im Kern betrifft

Als Glaubende müssen wir mit ungeklärten Fragen leben und Widersprüche aushalten, die wir gedanklich nicht befriedigend auflösen können. Aber darüber, ob wir selbst dazugehören oder ob sich Gottes Liebe vielleicht nur auf andere bezieht, dürfen wir keinesfalls im Zweifel gelassen werden. Denn wenn die Frage nach der Gewissheit offenbleibt, dann ist nicht nur ein Aspekt des Glaubens, sondern der Glaube insgesamt betroffen. Die Frage nach der Heilsgewissheit ist kein Nebenthema, sie trifft den Kern unseres Glaubens.

Christsein ist wie die Halteleine eines Schiffes.

Aber wie kann ich diese Gewissheit finden? Die biblische Botschaft ist klar: Weil Gott vertrauenswürdig ist und zu seinem Wort steht, liegt die Grundlage unserer Gewissheit nicht in uns selbst, sondern allein bei ihm. Christsein ist wie die Halteleine eines Schiffes. Sie muss an einem stabilen Außenhalt festgemacht werden. Niemand käme auf die Idee, stattdessen alle Leinen auf Deck miteinander zu verknoten! Wenn wir unseren Glauben an unseren Gefühlen oder unseren Erfahrungen, an unserem Tun oder unseren Entscheidungen festmachen, bleibt er ungewiss. So wie ein Schiff am Tau hängt, so hängen Christen an Christus.  

Was ist dein einziger Trost?

Die Frage nach der Heilsgewissheit war in der Reformationszeit ein zentrales Thema. Der Heidelberger Katechismus erklärt in 129 Fragen und Antworten die Grundlagen des christlichen Glaubens.1 Die erste und zentrale Frage lautet: Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben? | Dass ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre.2  Er hat mit seinem teuren Blut für alle meine Sünden vollkommen bezahlt und mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst; und er bewahrt mich so, dass ohne den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt fallen kann, ja, dass mir alles zu meiner Seligkeit dienen muss.3  Darum macht er mich auch durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens gewiss und von Herzen willig und bereit, ihm forthin zu leben.4 

Weil Gott zuverlässig ist und zu seinen Zusagen steht und weil er tut, was er sagt, können wir glaubensgewiss sein.

Gottes Ja gilt jetzt

Jesus macht Nikodemus darauf aufmerksam: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ (Joh 3,16) Er verspricht dem Verbrecher, der neben ihm gekreuzigt wird: „Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lk 23,43). Paulus hat es nicht nur selbst erfahren, sondern gibt es an die Glaubenden in Rom weiter: „Wer den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden“ (Röm 10,13). Und er erinnert daran, dass Gott selbst uns durch seinen Heiligen Geist Gewissheit gibt: „Sein Geist bezeugt unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind“ (Röm 8,16).

Unser Heil entscheidet sich nicht irgendwann später und bis dahin ist es ungewiss. Ewiges Leben beginnt nicht erst nach unserem Tod. Schon jetzt ist unser Leben mit Jesus verbunden. Hansjoachim Eckstein bringt es treffend auf den Punkt: „Über unser Schicksal wird somit nicht erst nach unserem Leben und aufgrund unseres gelebten Lebens entschieden, sondern Gott hat bereits aufgrund seiner Liebe zu gezogen (Joh 6,37; 15,16; 17,2.6ff.). Wenn es stimmt, dass niemand von sich aus zu Christus kommen will oder kann, es sein denn, dass Gott ihn aus Liebe dazu befähigt und bewegt (Joh 6,44.65; 15,16), dann gilt logischerweise auch umgekehrt, dass Christus niemanden ablehnt oder verstößt, der zu ihm kommt (Joh 6,37)! Jeder, der an Christus glauben will, darf zu ihm kommen; denn sein Suchen und Wollen sind bereits Ausdruck für Gottes Wirken an ihm. Die Frage, ob wir selbst schon genug und richtig glauben, tritt dann zurück, wenn wir erkennen, dass der menschliche Glaube nicht Gottes Liebe und Zuwendung erst auslösen muss, sondern sie als schon lange bestehend und gültig erkennen darf. Wir brauchen von uns aus keine große Liebe und keinen großen Glauben hervorzubringen, um Gott zu beeindrucken, sondern im Glauben an Christus werden wir überwältigt von der Größe der Liebe Gottes. Die entscheidende Größe des Glaubens beruht in der Größe dessen, was er erkennt – nämlich die grenzenlose Liebe und Treue Gottes –, und nicht in der Stärke des eigenen Wollens und Vertrauens. Wer zu Christus kommt, begreift, dass er von Gott bereits ergriffen ist! […]  Da Christus selbst „die Auferstehung und das Leben“ ist, bedeutet die Verbundenheit mit ihm, dass wir das neue Leben, das er uns gegeben hat, auch dadurch nicht verlieren können, dass wir leiblich sterben; als an Christus Glaubende werden wir wohl sterben – aber wir werden nicht tot sein (Joh 8,51; 11,25f.)!“ 5

Was Glaubensgewissheit wachsen lässt

In der Bibel die Zusagen Gottes schwarz auf weiß nachzulesen und sie auf Karten oder als Bildschirmhintergrund sichtbar vor Augen zu malen, kann unsere Glaubensgewissheit wachsen lassen. Wir können sie aber nicht nur lesen, wir können sie spüren, schmecken, sehen und hören.   

Bei der Taufe wurde uns das Ja Gottes ganz persönlich zugesprochen: Du bist ein Kind Gottes. Du gehörst zu Jesus, der für dich gestorben und auferstanden ist. Durch seinen Heiligen Geist lebt er in dir und wirkt durch dich.

Wenn wir Abendmahl feiern, sehen und schmecken wir, wie freundlich Gott ist. Wir erinnern uns daran, dass durch Jesus Vergebung möglich ist. Wir bekommen einen Vorgeschmack auf das große gemeinsame Festessen im Himmel. Wie unser Körper Brot und Wein aufnimmt, so lebt er durch seinen Heiligen Geist in uns.  

Lieder haben die Kraft, sich ganz tief in unser Herz einzuprägen und uns im Glauben zu stärken. Folgende Lieder haben mir in unterschiedlichen Lebensphasen meine Glaubensgewissheit gestärkt: Ein feste Burg ist unser Gott (Martin Luther); Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben (Frannie Vink); In Christ alone (Stuart Townend).

Angefochten und doch gewiss

Heilsgewissheit ist kein Vorrecht einer ausgewählten Gruppe von Christen, die nie ihren Glauben in Frage stellen oder Zweifel an ihrer Errettung haben. Auch ein Glaube mit Heilsgewissheit bleibt angefochten. Das Gegenteil von Glauben ist ja nicht Zweifel, sondern Unglauben. Im Leben eines jeden Christen gibt es auch Zeiten des Zweifelns und der Anfechtung. Für Martin Luther6 war klar, dass Glaube nicht nur aus der Beschäftigung mit der biblischen Botschaft (Meditatio) besteht, sondern sich auch in den Herausforderungen des Lebens und der Anfechtung (Tentatio) bewähren muss. In der Anfechtung können wir uns mit unseren Fragen, Zweifeln und Klagen im Gebet (Oratio) an Gott wenden. Gut ist, wenn wir dabei nicht allein bleiben, sondern in Gemeinschaft mit anderen unterwegs sind und uns gegenseitig ermutigen und gewiss machen. So hat es Dietrich Bonhoeffer erlebt: „Der Christus im eigenen Herzen ist schwächer als der Christus im Worte des Bruders; jener ist ungewiss, dieser ist gewiss. Damit ist zugleich das Ziel aller Gemeinschaft der Christen deutlich: sie begegnen einander als Bringer der Heilsbotschaft.“ 7

Ich weiß, dass sein Erlöser lebt

Von Martin Luther wird berichtet, dass er bei schweren Anfechtungen das lateinische Wort „vivit – er lebt“ mit Kreide auf seinen Tisch geschrieben hat. Als ihn jemand nach dem Grund dafür fragte, antwortet er: „Jesus lebt, und wenn der nicht lebte, so begehrte ich nicht, eine Stunde zu leben. Allein weil er lebt, so werden auch wir leben durch Ihn, wie er selber gesagt hat: Ich lebe, und ihr sollt auch leben.“ Später als Martin Luther viele Enttäuschungen zu verkraften hatte, bestellte seine Frau Käthe einen Steinmetzmeister und gab ihm den Auftrag, an ihrem Haus ein neues Portal einzusetzen. Auf den Schlussstein im Torbogen ließ sie das Wort “vivit“ einmeißeln. Ihr Mann und auch jeder andere, der künftig durch das Tor ein- und ausging, sollte wissen: Jesus lebt! Wenn unsere Kräfte schwinden, seine Lebensmacht ist ungebrochen. Vivit – er lebt. Das ist die Botschaft, die trägt und Glaubensgewiss macht.

1 www.heidelberger-katechismus.net 2 Röm 14, 8 / 1. Kor 6, 19 / 1. Kor 3, 23 3 1. Petr 1, 18.19 / 1. Joh 1, 7; 2, 2 / 1. Joh 3, 8 / Joh 6, 39 / Mt 10, 29-31 / Lk 21, 18 / Röm 8, 28 4 2. Kor 1, 21.22 / Eph 1, 13.14 / Röm 8, 15.16 5 www.hansjoachimeckstein.com/Texte/Theologische_Texte/Paulus/Hans-Joachim-Eckstein_Heilsgewissheit_Roem_8,28-39.pdf 6 Vgl. Martin Luther, Vorrede zur Wittenberger Ausgabe der deutschen Schriften (1539), WA 50, 658. 7 Dietrich Bonhoeffer, Gemeinsames Leben, Seite 20

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