06/2026-07/2026

Plötzlich bin ich krank

Das Thema Krankheit war für mich immer etwas Temporäres. Es war meistens nach kurzer Zeit wieder vorbei und ich konnte meine Arbeit und ehrenamtlichen Aufgaben wieder aufnehmen. Als Berufsschullehrer waren es in 25 Jahren kaum 10 Tage, an denen meine Schüler auf mich verzichten mussten. Mein Leben ist geprägt von vielfältigem Engagement. Seit 2020 bin ich Schulleiter einer gewerblichen Berufsschule, kommunalpolitisch aktiv als Ortsvorsteher und Stadtrat, Hauskreis, Posaunenchor und als Prädikant immer mal wieder auf einer Kanzel. Auch unsere 5 erwachsene Kinder mit ihren Partnern und ersten Enkeln bereichern das Leben von meiner Frau und mir. Auf Fragen, ob mir das alles nicht zu viel sei, konnte ich nie richtig antworten, da ich fast alles mit Freude und Leidenschaft mache.

„Wirsch halt alt“, dachte ich zunächst, als ich zunehmend bei körperlichen Arbeiten außer Atem kam, vielleicht auch Asthma. Die Ärztin bescheinigte mir Herzschwäche und schickte mich in die Notaufnahme. Eine Woche später wurde ich operiert und mein Herz mit vier Bypässen versehen. Die Tage zwischen der Information und der Operation am offenen Herzen waren besonders. Was ist, wenn die Operation nicht gelingt, werde ich sterben? Aus medizinischer Sicht war die Operation die richtige Entscheidung. Dass es nur wenige Tage zwischen Diagnose und OP waren, hat mir geholfen. Viele Nachrichten und Grüße mit der Zusage, für mich zu beten, erreichten mich und machten mir Mut. Die Zeit nutzte ich, um ein kleines handschriftliches Testament zu schreiben und auch einige Wünsche für meine Beerdigung. Es half mir, geordnet in die OP zu gehen. Bei aller Anspannung fühlte ich mich doch von Gottes Liebe und Fürsorge getragen.

Heute geht es mir wieder recht gut, mein Mandat als Stadtrat habe ich abgegeben. Akzeptieren muss ich, dass ich viele Tabletten benötige und mit den Nebenwirkungen klarkommen muss. Ein Lernprozess, der mir bewusst macht, dass die Zeit der unbeschwerten Gesundheit vorbei und das Leben auf der Erde endlich ist. Auch wenn ich mich auf den Himmel freue, bin ich trotzdem sehr dankbar für den Segen der Medizin, die hilft, in den verbleibenden Jahren gut zu leben.

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